Umzugsverhalten der Berliner

Gefühlt fahren jedes Wochenende hunderte Pritschen und Kleinlaster von Robben & Wintjies auf den Berliner Straßen herum und werden von Menschen aller Altersstufen be- und entladen. Wir haben uns gefragt, von wo nach wo die Berliner bevorzugt ihre Umzugskartons umräumen. Anhand der Zahlen vom Amt für Statistik haben wir analysiert, wie die Bewegungen in den vergangenen fünf Jahren innerhalb Berlins ausgesehen haben. In unseren Bezirksreports können Sie die Zahlen spezifisch für die jeweiligen Berliner Ortsteile nachlesen.

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Umzüge in Berlin und Sickerprozesse

Auch wenn die Umzugsbereitschaft der Berliner mit steigenden Mieten nachgelassen hat, ist die Stadt dennoch in Bewegung. Dabei greifen vollkommen alltägliche Prozesse, die weder mit Gentrifizierung noch mit Verdrängung zu tun haben. Aus Studenten werden Arbeitstätige, Kinder werden erwachsen und ziehen aus, aus Arbeitstätigen werden Rentner. Eine Wohnung wird zu groß oder zu klein. Bezirke werden gewechselt. Jeder Umzug in Berlin setzt eine Reihe von Folgeprozessen in Gang. Jede Wohnung die verlassen wird, wird bald zum Zuhause für einen neuen Bewohner.

Dieser sogenannten Sickertheorie liegt die Überlegung zugrunde, dass mit einer räumlichen Veränderung meist auch eine qualitative Veränderung einhergeht. Ein Haushalt, der eine Neubauwohnung bezieht, kommt meist aus einer Altbauwohnung, die von minderer Qualität war, als die neue Wohnung. Wer umzieht, wird neben räumlichen Vorlieben meist eine „bessere“ Einheit beziehen und eine einfachere Einheit dem Markt wieder zur Verfügung stellen. In diese Wohnung wiederum zieht ein anderer Haushalt ein, welcher dieselben Prozesse und Motivationen beansprucht, die jedoch in der Regel eine Ebene darunter ablaufen. Damit werden räumliche Veränderungen in Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung von Menschen und Haushalten gebracht. Die Umzugskette lebt so lange fort, bis ein neu entstandener Haushalt eine frei gewordene Wohnung bezieht und die zurückbleibende Wohnung dem Wohnungsmarkt nicht zur Verfügung steht, weil Teile entweder des auseinandergehenden Haushaltes in der Wohnung verbleiben (Kind zieht aus, die Eltern bleiben), oder die Wohnung aufhört zu existieren, z.B. durch Abriss oder Zusammenlegung zu einer neuen Einheit.

Wir visualisieren unten die Wanderungen und Interaktion für fünf Berliner Bezirke. Wir sind dazu in der Lage, die Prozesse bis auf kleinteilige LOR-Ebenen herunterzubrechen. Kontaktieren Sie uns gerne. 

Wanderungsketten

Wie eine typische Wanderungskette in Berlin aussieht, können Sie hier am Beispiel des Schiller-Kiezes sehen. Es zeigt sich, dass die Quartiere in einer ständigen Interaktion zueinander stehen. 

Wanderungskette auf Bezirksebene

Verdrängen Kreuzberger die Neuköllner in andere Bezirke? Müssen Weddinger wegen der Zuzüge in andere Ortsteile ausweichen? Oder sind alle Wanderungsbewegungen zwischen den Ortsteilen normale innerstädtische Vorgänge? In den Jahren von 2013 bis 2017 zogen offiziell 12.656 Personen von Kreuzberg nach Neukölln. Im gleichen Zeitraum zogen 9.416 Personen von Neukölln nach Kreuzberg. 

Die Verteilung der gesamten Fortzüge von Neukölln in andere Bezirke ist weit gestreut. Eine Verdrängung der Bevölkerung in Neukölln im 5-Jahreszeitraum ist nicht gegeben. Das Wanderungssaldo in diesem Zeitraum ist negativ. Neukölln ist um etwa 8.500 Personen geschrumpft.