Auch der Berliner Immobilienmarkt wird von makroökonomischen Rahmenbedingungen geprägt: Leitzinsen, Baukosten, Inflation. Die Jahre 2015 bis 2025 umfassen einen vollständigen Zyklus – von Negativzinsen und Niedrigkosten über Inflation bis zur geldpolitischen Normalisierung.
Von 2016 bis 2022 hielt die EZB den Hauptrefinanzierungssatz bei null Prozent. Der Einlagezinssatz für Banken lag im negativen Bereich, um Kredite zu verbilligen und Investitionen anzuregen. Finanzierungen waren günstig wie nie, alternative Anlagen boten kaum Rendite. Immobilien wurden zum bevorzugten Investment.
Im Juli 2022 leitete die EZB die Zinswende ein. Binnen 15 Monaten erhöhte sie den Einlagezinssatz von –0,5 % auf 4,0 % (September 2023) – die steilste Anhebung in der Geschichte der EZB. Der Hauptrefinanzierungssatz stieg von 0 % auf 4,5 %. Diese Maßnahmen sollten die hohe Inflation eindämmen, die durch Energiepreisschocks und Lieferkettenprobleme ausgelöst worden war.
Seit Juni 2024 senkt die EZB die Leitzinsen schrittweise. Bis Juni 2025 erfolgten acht Reduktionen um jeweils 0,25 Prozentpunkte, seither blieben die Zinssätze unverändert. Im Oktober 2025 liegt der Einlagensatz bei 2,00 %, der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,15 % und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,40 %.
Die Zinswende wirkt sich unterschiedlich auf die Marktsegmente in Berlin aus. Die Preise für Mietshäuser und vermietete Eigentumswohnungen als Kapitalanlage sanken um rund 30 %. Freie Eigentumswohnungen verzeichneten einen deutlich geringeren Rückgang. Das Transaktionsvolumen ging in allen Segmenten zurück.
Die Kombination aus gestiegenen Finanzierungskosten, hohen Baukosten und einer gedämpften Einkommensentwicklung belastet die Nachfrage. Zugleich bleibt die Neubautätigkeit deutlich hinter dem Bedarf zurück.
Die Kaufpreisfaktoren im Investmentsegment haben sich deutlich verringert, wodurch die Nettoanfangsrenditen steigen. Über die Neubewertung vieler Objekte freuen sich Investoren, die auf einem konsolidierten, chancenreichen Markt mit wenig Risiko und der Aussicht auf einen neuen Zyklus investieren. Mit dem Ende der Zinssenkungen und einer sich stabilisierenden Inflationsrate wächst die Zuversicht am Markt.