Einleitung
Liebe Leserin, lieber Leser,
im Segment für Wohn- und Geschäftshäuser in Berlin bewegt sich das erste Halbjahr 2026 mit 296 Vorgängen und 1,20 Mrd € Umsatz praktisch auf Vorjahresniveau (Q1/2 2025: 324 / 1,18 Mrd €). Die Transaktionen aus dem laufenden Q3 hinzugerechnet, sind es, Stichtag 19.08.2026, 361 Beurkundugen bei einem Umsatz von 1,4 Mrd. €. Niedrigere Preise und Faktoren markieren den aktuellen Markt.
Lesen sie hier die Details.
Preise und Faktoren seit 2000
Im Jahr 2000 lag der durchschnittliche Kaufpreis für Wohn- und Geschäftshäuser in Berlin bei 500 € je Quadratmeter Wohnfläche, der Kaufpreisfaktor bei 11,2 Jahresnettokaltmieten. Bis 2004 änderte sich daran wenig (680 € / 12,5). Außen-WCs, Kohleöfen und aufgelaufene Instandhaltungsdefizite prägten weite Teile des Bestands, in den Altbaugebieten Ost-Berlins lag der Leerstand 1998 geschätzt bei über 30 Prozent. Von 2010 an stiegen beide Werte deutlich, von 960 € und 13,9 auf 3.230 € und 32,1 im Jahr 2021. In diesen Zeitraum fallen sinkende Leitzinsen, anhaltender Zuzug und im europäischen Vergleich niedrige Einstiegspreise. Der Preis erreichte 2022 mit 3.300 € seinen höchsten Stand, der Faktor bereits 2021. Seither gingen beide zurück, auf 2.390 €/m² und 21,1 zum Stichtag 19.08.2026. Beim Preis entspricht das etwa dem Niveau von 2017, beim Faktor liegt der Wert zwischen 2014 und 2015.
| Zeitraum | Median Transaktionspreis pro m² | Ø Transaktionspreis pro m² | Ø Kaufpreisfaktor |
|---|---|---|---|
| 2002 | – | 620 €/m² | 13,2 x |
| 2003 | – | 660 €/m² | 13,4 x |
| 2004 | – | 680 €/m² | 12,5 x |
| 2005 | – | 720 €/m² | 13,4 x |
| 2006 | – | 790 €/m² | 14 x |
| 2007 | – | 880 €/m² | 14,6 x |
| 2008 | – | 850 €/m² | 13,9 x |
| 2009 | – | 880 €/m² | 13,5 x |
| 2010 | – | 960 €/m² | 13,9 x |
| 2011 | – | 1.080 €/m² | 15,2 x |
| 2012 | – | 1.230 €/m² | 15,2 x |
| 2013 | – | 1.480 €/m² | 17,8 x |
| 2014 | – | 1.680 €/m² | 19,7 x |
| 2015 | – | 2.020 €/m² | 23,2 x |
| 2016 | – | 2.080 €/m² | 25,9 x |
| 2017 | – | 2.420 €/m² | 26,8 x |
| 2018 | 2.490 €/m² | 2.750 €/m² | 30,2 x |
| 2019 | 2.680 €/m² | 2.970 €/m² | 30,8 x |
| 2020 | 2.580 €/m² | 2.840 €/m² | 29,4 x |
| 2021 | 2.870 €/m² | 3.230 €/m² | 32,1 x |
| 2022 | 2.970 €/m² | 3.300 €/m² | 31,1 x |
| 2023 | 2.420 €/m² | 2.750 €/m² | 25,3 x |
| 2024 | 2.110 €/m² | 2.480 €/m² | 22,8 x |
| 2025 | 2.160 €/m² | 2.540 €/m² | 22,4 x |
| 2026 | 2.110 €/m² | 2.390 €/m² | 21,1 x |
Transaktionen, Preise und Faktoren von Mehrfamilienhäusern in 2026
Mit 361 Transaktionen in Q1/Q2 2026 liegt der Markt quantitativ auf Vorjahresniveau.
| Zeitraum | Anzahl Transaktionen |
|---|---|
| 2021 | 914 |
| 2022 | 751 |
| 2023 | 601 |
| 2024 | 667 |
| 2025 | 728 |
| 2026 | 361 |
Neukölln führt mit 39 Kauffällen die Liste an, gefolgt von Reinickendorf (39), Wilmersdorf (26) und Steglitz.
Losgrößen
Der durchschnittlich gezahlte Gesamtpreis je Mehrfamilienhaus ist weiter gesunken., von 6.221.000 € in 2024 auf 3.870.000 € im laufenden Jahr. Kleinere Objekte und niedrigere Quadratmeterpreise dominieren den Markt. Großvolumige Transaktionen sind seltener geworden.
| Zeitraum | Ø Transaktionspreis |
|---|---|
| 2020 | 5.541.000 € |
| 2021 | 6.389.000 € |
| 2022 | 4.653.000 € |
| 2023 | 4.957.000 € |
| 2024 | 6.221.000 € |
| 2025 | 4.864.000 € |
| 2026 | 3.870.000 € |
Geldumsatz
Das zweite Halbjahr 2026 war insgesamt stark. Der Geldumsatz in Q1, Q2 und im angefangenen Q3 liegt bei 1,4 Mrd. €.
| Zeitraum | Volumen 1. Quartal | Volumen 2. Quartal | Volumen 3. Quartal | Volumen 4. Quartal |
|---|---|---|---|---|
| 2021 | 811,9 Mio. € | 1,5 Mrd. € | 1,2 Mrd. € | 2,4 Mrd. € |
| 2022 | 923,0 Mio. € | 998,0 Mio. € | 760,0 Mio. € | 813,8 Mio. € |
| 2023 | 387,8 Mio. € | 732,7 Mio. € | 554,2 Mio. € | 1,3 Mrd. € |
| 2024 | 770,6 Mio. € | 948,6 Mio. € | 544,2 Mio. € | 1,9 Mrd. € |
| 2025 | 584,1 Mio. € | 597,4 Mio. € | 1,1 Mrd. € | 1,3 Mrd. € |
| 2026 | 409,7 Mio. € | 785,4 Mio. € | 201,8 Mio. € | – |
Nach Bezirken aufgeschlüsselt gibt die Karte Auskunft.
Faktoren
Der mittlere Faktor liegt 2026 bei 21,1 Jahresnettokaltmieten. Das ist der niedrigste Wert seit 2014 (19,7) und liegt 11,0 unter dem Höchststand von 2021 (32,1), ein Rückgang um 34 Prozent. Im Jahresvergleich hält allein Charlottenburg-Wilmersdorf den Faktor, Friedrichshain-Kreuzberg bleibt unverändert. Die stärksten Rückgänge zeigen Lichtenberg und Reinickendorf. Über fünf Jahre führt Charlottenburg-Wilmersdorf die Rückgänge an, gefolgt von Marzahn-Hellersdorf und Mitte; die geringsten Rückgänge weisen Neukölln, Pankow und Friedrichshain-Kreuzberg aus. Die höchsten Faktoren werden weiter in Mitte erzielt.
Quadratmeterpreise
Der Median-Transaktionspreis pro Quadratmeter Wohnfläche auf dem Berliner Mehrfamilienhausmarkt stieg von 2.490 €/m² (2018) auf seinen Höchststand von 2.970 €/m² im Jahr 2022. Aktuell liegt er bei 2.110 €/m². Der Median liegt unter dem Durchschnittspreis von 2.390 €/m², was auf eine weitere Ausdifferenzierung des Häusermarktes deutet.
Käuferprofile
Wer kauft aktuell Berliner Mehrfamilienhäuser? Das Spektrum reicht vom eigenkapitalstarken Family Office bis zum langfristig orientierten Bestandshalter. Preissegment, Lagepräferenz, Strategie und Anlagehorizont unterscheiden sich erheblich.
- Family Offices und Multi Family Offices agieren typischerweise im Preissegment von 5 bis über 20 Millionen Euro und zeigen dabei hohe Flexibilität. Sie verfolgen Value-Add- und opportunistische Strategien mit einem mittelfristigen Anlagehorizont. Als eigenkapitalstarke Käufer können sie agil auf Marktchancen reagieren.
- Private Investoren bewegen sich meist im Segment von 2 bis 5 Millionen Euro und konzentrieren sich auf Value-Add-Strategien mit ausgeprägtem lokalem oder regionalem Bezug. Ihre Entscheidungen treffen sie agil und individuell, wobei die Anlagen oft generationsübergreifend ausgelegt sind.
- Projektentwickler investieren variabel abhängig vom jeweiligen Projekt und zahlen teils sehr hohe Kaufpreise. Ihr Fokus liegt auf Entwicklung, Sanierung und Umnutzung mit klarem Blick auf Wertsteigerungspotenzial, Baurecht und Realteilungsmöglichkeiten.
- Bestandshalter – ob privat oder als Unternehmen organisiert – investieren variabel, meist zur langfristigen Portfolioergänzung. Sie setzen auf langfristigen Bestand mit stabilen und belastbaren Mieteinnahmen und planbaren Erhöhungen. Häufig haben Bestandshalter klare Lage-Präferenzen um Verwaltungsprozesse zu bündeln.
- Fonds bewegen sich im Segment ab 20 Millionen Euro oder erwerben große Portfolios. Sie verfolgen Core- und Core-Plus-Strategien mit ESG-Fokus, wobei längere Entscheidungsprozesse und Diversifizierung charakteristisch sind.
Ausblick zweites Halbjahr 2026
Der Berliner Markt für Wohn- und Geschäftshäuser hat gedreht. Käufer treffen heute auf einen Faktor von 21,1 Jahresnettokaltmieten, rund elf weniger als 2021, und auf einen Quadratmeterpreis von 2.390 €/m² gegenüber 3.300 € im Jahr 2022.
Über 15 Jahre gerechnet beträgt die durchschnittliche jährliche Veränderung des mittleren Quadratmeterpreises 5,4 %, über zehn Jahre 1,4 %. Die Kennzahl vergleicht die Jahresdurchschnitte aller beurkundeten Kauffälle. Die in diesem Zeitraum eingenommene Miete enthält sie nicht, die Entwicklung eines bestimmten Hauses ebenso wenig. Für langjährige private Eigentümer, darunter viele Familienbestände, liegt der Einstand meist viel früher. Gegenüber dem Jahr 2000 liegt der mittlere Quadratmeterpreis heute beim 4,8-Fachen, was 6,2 Prozent jährlicher Wertsteigerung über 26 Jahre entspricht.
10-jährige Wohnungsbaukredite lagen 2016 bei rund 1,9 Prozent, im Juni 2026 bei 3,82 Prozent. Anschlussfinanzierungen sind knapp 2 Prozentpunkte teurer. Der Faktor von 21,1 entspricht rechnerisch einer Bruttomietrendite von 4,7 Prozent vor Bewirtschaftungskosten. Vor diesem Hintergrund sind Wohn- und Geschäftshäuser in Berlin durchaus interessant für Käufer.
Was daraus für Eigentümer und Verkäufer folgt, hängt am einzelnen Objekt und der Lebenssituation. Restschuld und Zeitpunkt des Bindungsendes spielen hinein, der Abstand der Bestandsmiete zum Mietspiegel, der aufgelaufene Instandhaltungsbedarf, aber auch die Leistbarkeit von Instandhaltung und Verwaltung.
Natürlich gibt es Unsicherheiten, wie sich die Werte in den kommenden Jahren entwickeln und zwar sowohl auf der Verkäufer-, als auch auf der Käuferseite.
Auf der Verkäuferseite sollten individuelle Beweggründe stärker betrachtet werden. Für die Käuferseite steht die Finanzierbarkeit und Risikominimierung im Vordergrund.
Methodik
Datenquellen: Gutachterausschuss für Grundstückswerte in Berlin (Transaktionsdaten) und IMV Immobilien-Marktdaten-Vertriebs GmbH (Angebotsdaten). Eigene Berechnung, Aggregation und Darstellung auf den Raumebenen Berlins (Bezirk, Ortsteil, Planungsraum). Die dargestellten Werte beruhen auf einer modellbasierten Auswertung und ersetzen keine amtlichen Statistiken; trotz sorgfältiger Aufbereitung sind Abweichungen nicht auszuschließen.
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