Überblick
Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,
Preise und Mieten in Berlin entstehen lokal, geprägt von Angebot, Nachfrage, Regulierung und Demografie. Die Rahmenbedingungen für Finanzierung, Kaufkraft und Baukosten stammen dagegen aus der Makroebene. Dieser Bericht behandelt diese zweite Ebene. Er zeigt, zu welchen Konditionen sich Käufer und Investoren aktuell finanzieren, wie sich die Inflation auf Kaufkraft und Baukosten auswirkt.
Alle Zeitreihen stammen aus der Schnittstelle der Deutschen Bundesbank. Je nach Indikator sind die Primärquellen die EZB, das Statistische Bundesamt, die Bundesagentur für Arbeit sowie andere Indexanbieter. Die lokale Analyse des Wohnungs- und Mietshausmarkts finden Sie in den entsprechenden Marktberichten.
Geldpolitik & Renditen
Die Höhe der Bauzinsen in Berlin entscheidet sich nicht erst beim Termin mit der Hausbank, sondern wird am Kapitalmarkt vorgezeichnet, wobei zwei Größen die zentrale Rolle spielen. Die Entscheidungen der Europäischen Zentralbank über ihre Leitzinsen bestimmen die Konditionen, zu denen sich die Banken selbst Geld beschaffen, während die Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen als Orientierungsgröße dient, an der die Banken ihre langfristigen Hypothekenzinsen ausrichten.
EZB-Leitzinssätze
Nach ihrem Straffungskurs zwischen 2022 und Mitte 2024 hat die EZB ihren Einlagesatz bis Juni 2025 in acht Schritten von 4,00 % auf 2,00 % abgesenkt und hält das Zinsniveau seither stabil. Die EZB arbeitet mit drei Leitzinsen, wobei aktuell der Einlagesatz die steuernde Rolle übernimmt, weil die Banken im Euroraum mehr Zentralbankgeld besitzen als sie benötigen und ihre Überschüsse zu diesem Satz bei der EZB hinterlegen. Der Hauptrefinanzierungssatz, also der Zinssatz, zu dem sich die Banken einmal pro Woche für sieben Tage frisches Zentralbankgeld bei der EZB leihen können, liegt aktuell bei 2,15 % nach einer Anpassung um -0,50 % in den vergangenen zwölf Monaten. Der Einlagesatz, zu dem die Banken überschüssiges Geld bei der EZB parken und der damit die Untergrenze des Geldmarktzinses bildet, notiert bei 2,00 %, der Spitzenrefinanzierungssatz für sehr kurzfristige Übernachtkredite der Banken bei 2,40 %.
Rendite von Bundesanleihen
Die deutschen Hypothekenzinsen folgen in erster Linie der Rendite zehnjähriger Bundesanleihen, weil die Banken ihre langfristigen Baufinanzierungen auf Basis dieser Marktzinsen kalkulieren und Bewegungen am Bundmarkt mit einer zeitlichen Verzögerung von drei bis sechs Monaten in die angebotenen Zinskonditionen einfließen. Während die EZB ihre Leitzinsen seit Juni 2025 stabil hält, ist die zehnjährige Bundrendite im gleichen Zeitraum um rund 50 Basispunkte gestiegen. Weil die Hypothekenzinsen stärker an der Bundrendite als am EZB-Leitzins hängen, haben sich die Bauzinsen seither tendenziell verteuert, und zwar unabhängig davon, dass die EZB keine weiteren Zinsschritte vorgenommen hat. Aktuell notiert die zehnjährige Bundrendite bei 3,01 % (0,47 % gegenüber dem Vorjahr), die fünfzehnjährige Rendite bei 3,35 % (0,49 % zum Vorjahr) und die dreißigjährige bei 3,53 % (0,58 % zum Vorjahr).
Wirtschaft & Arbeitsmarkt
Konjunktur, Inflation und Beschäftigung wirken auf den Berliner Immobilienmarkt über die Kaufkraft und die Risikoeinschätzung der Käufer, setzen aber lediglich einen Rahmen. Die eigentliche Marktdynamik ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Zuzug, Angebotsknappheit, Regulierung und nicht zuletzt über einen Hauptstadtbonus und der Internationalität von Berlin.
Bruttoinlandsprodukt (BIP)
Die deutsche Wirtschaft bewegt sich seit Anfang 2022 effektiv auf der Stelle und ist in den Jahren 2023 und 2024 leicht geschrumpft. Seit Anfang 2025 zeichnet sich eine zaghafte Erholung ab, die bislang in einem Korridor von 0,3 bis 0,5 Prozent Jahreswachstum verharrt und damit deutlich unter dem mittelfristigen Potenzialwachstum liegt. Für Berlin ist diese Lage weniger ausschlaggebend als für stärker industriell geprägte Regionen, weil sich die Wohnungsnachfrage in der Stadt in erster Linie aus Zuzug, Haushaltsbildung und Angebotsverknappung speist und nicht aus der bundesweiten Konjunkturlage.
Aktuell liegt das BIP-Wachstum bei 0,4 % im Vorjahresvergleich, saison- und kalenderbereinigt beträgt die Veränderung zum Vorquartal 0,3 %.
Inflationsrate
Nachdem die Inflation in Deutschland im Jahr 2025 überwiegend in der Nähe des EZB-Zielwerts von zwei Prozent verharrt hatte, ist der Harmonisierte Verbraucherpreisindex im März 2026 wieder auf 2,8 Prozent gesprungen. Ausschlaggebend ist der Energiepreisanstieg im Zuge des Iran-Konflikts, durch den die Energiekomponente im HVPI innerhalb eines Monats von einem Vorjahresrückgang um 2,3 Prozent auf einen Vorjahreszuwachs von 6,3 Prozent umgeschlagen ist. Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel bewegt sich seit Monaten in einem engen Band um 2,5 Prozent und hält sich damit hartnäckig über dem EZB-Zielwert, was neben den geopolitischen Risiken der eigentliche Grund für die Stabilitätshaltung der EZB ist.
Die Gesamtinflationsrate nach dem Harmonisierten Verbraucherpreisindex, den die EZB als Referenz für ihren Zwei-Prozent-Zielwert verwendet, liegt aktuell bei 2,8 % im Vorjahresvergleich. Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel beträgt 2,5 %, die Energiekomponente verändert sich gegenüber dem Vorjahr um 6,3 %, und die Mieten im HVPI weisen eine Jahresveränderung von 2,2 % aus.
Arbeitsmarkt
Der deutsche Arbeitsmarkt hat sich seit Ende 2024 sichtbar abgekühlt. Die Arbeitslosenquote ist auf 6,3 Prozent gestiegen, die Zahl der Arbeitslosen hat im Vorjahresvergleich um rund 100.000 Personen zugenommen und die Zahl der Erwerbstätigen hat erstmals seit der Pandemie wieder nachgegeben. Gleichzeitig ist die Kurzarbeit gegenüber dem Vorjahr um rund die Hälfte zurückgegangen, was darauf hindeutet, dass die Industrie ihre Anpassungen an die schwache Nachfrage zunehmend über den Abbau regulärer Stellen statt über Arbeitszeitverkürzung vornimmt. In Berlin liegt die Arbeitslosenquote traditionell über dem Bundesschnitt, die Beschäftigung in der Stadt stützt sich jedoch stärker auf Dienstleistungen und Verwaltung und ist damit weniger von der Industrieschwäche berührt als in den Industrieregionen.
Die Arbeitslosenquote in Deutschland beträgt aktuell 6,3 % bei 2.977.000 Personen registrierten Arbeitslosen, was im Jahresvergleich einer Veränderung der Quote um 0,1 % entspricht. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten liegt bei 34.902.000 Personen, die Zahl der Personen in Kurzarbeit bei 122.217 Personen.
Finanzierung & Kreditfluss
Nach der Zinswende von 2022 hat sich der deutsche Finanzierungsmarkt für Wohnimmobilien in einer neuen Gleichgewichtslage eingerichtet. Die Neukreditvergabe liegt deutlich unter dem Niveau der Vor-Zinswende-Jahre, stabilisiert sich aber seit Mitte 2025, während die Baukosten trotz der Schwäche der deutschen Neubautätigkeit weiterhin mit rund vier Prozent pro Jahr anziehen.
Wohnungsbaukredite (Zinsen & Volumen)
Die Neukreditvergabe der deutschen Banken für den Wohnungsbau bewegt sich aktuell bei rund acht Milliarden Euro pro Monat und damit etwa auf der Hälfte des Niveaus der Jahre 2021 und 2022, in denen die monatlichen Spitzen deutlich über zwölf Milliarden Euro lagen. Nach dem starken Einbruch in den Jahren 2023 und 2024 stabilisiert sich das Neugeschäft seit Mitte 2025 auf dem aktuellen Niveau, was darauf hindeutet, dass sich der Markt zunehmend über den Kaufpreis der Immobilie und nicht mehr über die Finanzierungskosten anpasst. In Berlin hat sich der Neubaumarkt im Zuge der verteuerten Finanzierung spürbar abgekühlt, was sich in rückläufigen Baugenehmigungszahlen und in den zurückliegenden Insolvenzen mehrerer größerer Projektentwickler ausdrückt.
Der durchschnittliche Zinssatz für Wohnungsbaukredite liegt aktuell bei 3,62 %, das Neugeschäftsvolumen beläuft sich auf 8.193.000.000 € und hat sich gegenüber dem Vorjahr um 0,2 % verändert. Kredite mit ein- bis fünfjähriger Zinsbindung werden zu 3,50 % angeboten, Kredite mit einer Zinsbindung von mehr als zehn Jahren zu 3,63 %.
Baukosten
Die Baukosten für Wohngebäude in Deutschland steigen seit Mitte der 2010er Jahre kontinuierlich und liegen aktuell rund 36 Prozent über dem Niveau von 2015. Im Vorjahresvergleich verteuert sich der Bau von Wohngebäuden weiterhin um rund vier Prozent, und das trotz der ausgeprägten Schwäche der deutschen Neubautätigkeit, die sich bei einem normalen Angebots- und Nachfrageverhältnis eher in fallenden als in steigenden Baupreisen niederschlagen müsste. Getragen wird die Preisdynamik in erster Linie durch Lohnkosten im Bauhandwerk sowie durch anhaltend hohe Material- und Energiekosten, weshalb eine spürbare Entspannung auf der Kostenseite mittelfristig nicht zu erwarten ist. Für den Berliner Markt folgt daraus, dass neue Wohnungen zu den heutigen Baukosten nur dann wirtschaftlich erstellt werden können, wenn die Verkaufspreise im Neubausegment entsprechend hoch liegen, was die strukturelle Knappheit an neuem Wohnraum in der Stadt verstärkt.
Der Baupreisindex für Wohngebäude weist gegenüber dem Vorjahr eine Veränderung von 3,3 % auf, zum Vorquartal beträgt die Veränderung 0,5 %.
Immobilienpreise
Nach der Preiskorrektur der Jahre 2023 und 2024 zeigen die bundesweiten Preisindizes für Wohnimmobilien im Jahr 2025 wieder eine breit angelegte Aufwärtsbewegung. Das Tempo unterscheidet sich allerdings deutlich je nach Marktsegment. Bundesweit ziehen Mehrfamilienhäuser als Anlageobjekte sichtbar schneller an als in Berlin, was Investoren derzeit Einstiegspreise unterhalb des nationalen Erholungspfads eröffnet.
Preisindizes für Wohnungen & Mietshäuser
Die bundesweite Preisentwicklung für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser wird parallel von Destatis, vdpResearch und Hypoport erfasst, die jeweils einen etwas anderen Marktausschnitt abbilden und in der Richtung synchron, in der Höhe aber um einige Prozentpunkte voneinander abweichen können.
Nach dem Preisaufschwung der Jahre 2020 bis 2022, der Korrektur von vier bis acht Prozent im Jahr 2023 und einer leicht negativen Bewegung im Jahr 2024 weisen alle drei Anbieter seit Anfang 2025 wieder positive Jahresveränderungen aus. Die Top-7-Großstädte einschließlich Berlin haben in der Korrektur stärker verloren und holen in der Erholung bislang langsamer auf, sodass der bundesweite Gesamtindex mit 2,6 Prozent im Jahr 2025 über dem Top-7-Index mit rund einem Prozent liegt, während sich das Preisbild innerhalb Berlins zwischen Bezirken und Ortsteilen weiter ausdifferenziert.
- Top-7-Großstädte: 1,0 % bei den Preisen und 17,2 % bei den Transaktionen
- Top-127-Städten: -0,1 % bei den Preisen und 20,9 % bei den Transaktionen
- Landkreise und kreisfreie Städte: 1,3 % bei den Preisen und 25,1 % bei den Transaktionen
Quellen
Alle statistischen Zeitreihen auf dieser Seite werden über die SDMX-Schnittstelle der Deutsche Bundesbank bezogen. Die Bundesbank fungiert als Aggregator; Primärquelle ist je nach Indikator die Europäische Zentralbank, das Statistische Bundesamt (Destatis), die Bundesagentur für Arbeit oder ein privater Indexanbieter (vdpResearch, Hypoport). Die SDMX-Codes in Klammern bezeichnen die jeweilige Zeitreihen-Familie in der Bundesbank-API.
- EZB-Leitzinssätze (SDMX BBIN1)
- Renditen deutscher Bundesanleihen (SDMX BBSSY)
- Bruttoinlandsprodukt (SDMX BBNZ1)
- Harmonisierter Verbraucherpreisindex (SDMX BBDP1)
- Arbeitslosigkeit (SDMX BBDL1)
- Beschäftigung (SDMX BBDL1)
- Wohnungsbaukredite: Effektivzinssätze und Volumina (SDMX BBIM1)
- Baupreisindex für Wohngebäude (SDMX BBDP1)
- Preisindizes für Eigentumswohnungen (SDMX BBDY1)
- Transaktionsindizes für Eigentumswohnungen (SDMX BBDY1)
- Preisindizes für Mehrfamilienhäuser (SDMX BBDY1)
- Deutsche Bundesbank-Projektion (Gesamtwirtschaftliche Projektionen, halbjährlich im Monatsbericht)
- Jahresprojektion der Bundesregierung (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Jahreswirtschaftsbericht)
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