Stadtentwicklung
Städtebau und Wohnungspolitik
Hochhaus-Masterplan für Berlin: Rot-Rot-Grün will strengere Genehmigungskriterien
SPD, Linke und Grüne fordern von Bausenatorin Lompscher einen Masterplan, der den Hochhausbau in Berlin reguliert. Am Alexanderplatz stehen mehrere Projekte auf dem Prüfstand.
Peter Guthmann
SPD, Linke und Grüne haben in einem gemeinsamen Antrag Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) aufgefordert, einen Hochhaus-Masterplan für Berlin zu erarbeiten. Ein rein durch ökonomische Nachfrage getriebener architektonischer Wildwuchs solle vermieden werden, heißt es in der Begründung.
Kurswechsel gegenüber der Vorgängerregierung
Die Position steht im Gegensatz zur vorherigen großen Koalition. Der damalige Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) warb für den Hochhausbau als Mittel gegen Flächenknappheit: "Berlin muss auch in die Höhe wachsen können, um Flächenressourcen zu schonen." Unter seiner Führung wurde der Masterplan für den Alexanderplatz überarbeitet, um dort bis zu neun Hochhäuser zu ermöglichen. Lompscher kritisierte diese Pläne bereits als Oppositionspolitikerin, unter anderem wegen der Beeinträchtigung der Sichtachse von der Karl-Marx-Allee zum Fernsehturm.
Alexanderplatz und laufende Projekte
2016 wurden in Berlin sechs Wohnhöchhäuser fertiggestellt. Nach unseren Recherchen befinden sich mindestens 19 weitere in der Planung. Am Alexanderplatz in Mitte wollen amerikanische und russische Investorengruppen Wohntürme mit mehreren hundert Wohnungen errichten. Lompscher prüft nun, ob diese Pläne Bestand haben. Der Bau weiterer Türme nahe dem Park-Inn-Hotel scheint nicht zur Debatte zu stehen, andere Standorte werden hingegen hinterfragt.
Mögliche Auflagen
Aus den Koalitionsparteien kommen bereits konkrete Vorschläge. Die SPD bringt eine Mindestnutzungsgarantie von 80 Prozent ins Spiel, um Spekulation mit Leerstand zu unterbinden. Erdgeschosse und Aussichtsplattformen sollen öffentlich zugänglich sein. Linke und Grüne fordern ein Regelwerk, das städtebauliche Verträglichkeit über reine Höhenentwicklung stellt.
Für Projektentwickler bedeutet das: Die Genehmigungsverfahren dürften komplexer werden. Die genauen Kriterien des Masterplans sind noch in Arbeit, aber die Richtung ist erkennbar. Wer in Berlin in die Höhe bauen will, muss künftig einen Mehrwert für das Quartier nachweisen. Die Marktentwicklung bei Neubauprojekten hängt damit auch von den politischen Rahmenbedingungen ab.