Stadtentwicklung
Abgeordnetenhaus Berlin 2016
Bürgerleitlinien für die Berliner Mitte: Parlament setzt auf Grün statt Kommerz
Das Berliner Abgeordnetenhaus hat die Bürgerleitlinien für das Areal zwischen Fernsehturm und Spree beschlossen. Das Ergebnis: weniger Kommerz, mehr Grünflächen, Verkehrsberuhigung.
Peter Guthmann
Parlamentsbeschluss mit fraktionsübergreifender Mehrheit
Das Berliner Abgeordnetenhaus hat in dieser Woche die sogenannten Bürgerleitlinien zur Zukunft des historischen Zentrums zwischen Fernsehturm und Spree beschlossen. Der Beschluss fiel fraktionsübergreifend. Damit werden die Ergebnisse der monatelangen "Stadtdebatte Berliner Mitte" zur offiziellen Handlungsgrundlage für den Senat.
Die Leitlinien sind das Resultat eines öffentlichen Beteiligungsprozesses, in dem Vorschläge für die Neugestaltung der zentralen Freiflächen gesammelt wurden, insbesondere des Rathaus- und des Marx-Engels-Forums.
Die zehn Kernpunkte
Im Zentrum steht die Vision einer ruhigeren, grüneren Mitte. Das Areal soll als Erholungsfläche dienen. Der bestehende Grünanteil soll nicht sinken, sondern aufgewertet werden. Ein zentraler Punkt: Die Berliner Mitte soll ein "grundsätzlich nicht-kommerzieller Ort" bleiben. Rein kommerzielle Großprojekte auf dem Areal werden damit ausgeschlossen. Hinzu kommen Verkehrsberuhigung, die Öffnung des Spreeufers für die Öffentlichkeit und die Stärkung als Ort für Kultur und Demokratie.
Die vollständigen Leitlinien sind hier dokumentiert.
Was das für Eigentümer und Investoren bedeutet
Für den Bezirk Mitte hat der Beschluss konkrete Folgen. Direkt auf dem Areal sind kommerzielle Entwicklungsprojekte unwahrscheinlich geworden. Gleichzeitig steigt die Aufenthaltsqualität im Umfeld. Immobilien in angrenzenden Quartieren, vom Nikolaiviertel bis zum Alexanderplatz, profitieren von einer aufgewerteten Nachbarschaft.
Die Verkehrsberuhigung und bessere Anbindung könnten die Nachfrage nach Wohnungen in diesen Lagen weiter erhöhen. Die Marktdaten für Berlin-Mitte zeigen, dass qualitative Aufwertung des öffentlichen Raums und Bestandswerte eng zusammenhängen. Spekulative Kurzfrist-Projekte im Kernbereich werden unwahrscheinlicher, nachhaltige Konzepte und Bestandsimmobilien gewinnen.