Stadtentwicklung
Stadtplanung Berlin-Mitte
Berliner Mitte: 2015 beginnt die Debatte um das letzte große Innenstadt-Areal
Die Fläche zwischen Fernsehturm und Spree war jahrelang politisch umstritten. 2015 startete der Senat einen öffentlichen Dialogprozess. Ein Rückblick auf die Ausgangslage.
Peter Guthmann
Der Freiraum zwischen Fernsehturm und Spree galt als letztes großes Innenstadt-Areal, dessen Nutzung noch nicht festgeschrieben war. Während andernorts längst gebaut wurde, blieb diese Fläche im Herzen der Stadt ein weißer Fleck auf der Planungskarte. 2015 kündigte der Berliner Senat an, eine breite öffentliche Debatte über die Zukunft dieses Terrains zu starten.
Historische Vorbelastung
Die Fläche, oft als Rathausforum oder Marx-Engels-Forum bezeichnet, trägt mehrere Schichten Berliner Geschichte. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und der späteren Sprengung des Stadtschlosses entstand hier das repräsentative Zentrum von Ost-Berlin mit dem Palast der Republik. Seit dessen Abriss und dem laufenden Wiederaufbau des Humboldt Forums klafft an dieser Stelle eine städtebauliche Lücke. Über Jahre hatte die Politik gestritten, ohne zu einem Ergebnis zu kommen.
Dialog statt Verordnung
Der Senat wählte 2015 einen anderen Ansatz. Statt einer von oben verordneten Planung sollte ein offener Bürgerdialog die Grundlage für künftige Entscheidungen schaffen. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher betonte die Rolle der Bürger: "Wichtig ist dabei insbesondere die bürgerschaftliche Mitverantwortung in der Vorbereitung von Planungs- und Entscheidungsprozessen." Die Entscheidungshoheit lag weiterhin bei Senat und Abgeordnetenhaus, doch das Beteiligungsverfahren sollte eine fundierte Grundlage liefern.
Szenarien und ihre Wirkung auf den Immobilienmarkt
Für den Immobilienmarkt im Bezirk Mitte war die künftige Nutzung dieses Areals ein wesentlicher Faktor. Die möglichen Szenarien reichten von einer Parklandschaft über kulturelle Einrichtungen bis hin zu einer behutsamen Bebauung mit Wohn- und Gewerbeflächen. Jede Option hätte unterschiedliche Auswirkungen auf umliegende Immobilienpreise und Mieteinnahmen gehabt. Eine hochwertige Bebauung hätte neues Bauland für Wohnungen in Berlin geschaffen, eine reine Grünfläche hätte die Attraktivität der angrenzenden Lagen erhöht.
Langfristiger Prozess
Der 2015 angekündigte Dialog war der Auftakt zu einem mehrjährigen Planungsverfahren. Für Akteure am Berliner Markt lohnte es sich, die Debatte von Anfang an zu verfolgen. Die hier getroffenen Weichenstellungen beeinflussen die Marktentwicklung in einer der zentralsten Lagen Europas bis heute.