Stadtentwicklung
Stadtentwicklung in Berlin
Volksentscheid: Berliner stimmen mit 65 % gegen die Bebauung des Tempelhofer Feldes
Das Tempelhofer Feld bleibt unbebaut. Rund 65 % der Abstimmenden lehnten die Senatspläne ab. 4.700 geplante Wohnungen fallen damit weg.
Peter Guthmann
Die Berliner haben entschieden: Das Tempelhofer Feld wird nicht bebaut. Im Volksentscheid stimmten rund 65 % der Teilnehmer für den Gesetzesentwurf der Bürgerinitiative "100 % Tempelhofer Feld", der jede Bebauung ausschließt. Damit sind die Senatspläne für eine Randbebauung des ehemaligen Flughafengeländes gescheitert.
Was der Senat geplant hatte
Der Senat unter dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit wollte in den Randbereichen des 386 Hektar großen Areals bis zu 4.700 Wohnungen, Gewerbeflächen und die neue Zentral- und Landesbibliothek errichten. Das Ziel: dem wachsenden Bedarf an Wohnraum begegnen und die landeseigene Fläche wirtschaftlich nutzen.
Wie es zum Volksentscheid kam
Die Bürgerinitiative sammelte seit 2012 mehr als 187.000 gültige Unterschriften. Ihre Forderung: das Feld als innerstädtischen Park und Kaltluftschneise dauerhaft zu sichern und jede kommerzielle Bebauung gesetzlich zu unterbinden. Mit dem Volksentscheid hat der Gesetzesentwurf der Initiative Gesetzeskraft erlangt.
Folgen für den Wohnungsmarkt
Der Wegfall von 4.700 geplanten Wohnungen verschärft den Druck auf den ohnehin angespannten Wohnungsmarkt. Für Eigentümer und Investoren in den angrenzenden Stadtteilen Neukölln, Kreuzberg und Tempelhof-Schöneberg hat das Ergebnis allerdings auch eine andere Seite: Der dauerhafte Erhalt der Freifläche steigert die Wohnqualität in der Umgebung. Immobilien in der Nähe des Feldes dürften davon profitieren, weil keine mehrjährige Großbaustelle entsteht und der Charakter des Ortes erhalten bleibt.
Das Flughafengebäude
Vom Volksentscheid nicht betroffen ist das denkmalgeschützte Flughafengebäude mit rund 300.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche. Teile davon sind bereits an die Berliner Polizei, die Verkehrslenkungszentrale und verschiedene Unternehmen vermietet. Die ehemaligen Hangars dienen als Veranstaltungsort für Messen und Events. Die Entwicklung und Vermarktung des Gebäudekomplexes läuft unabhängig von der Freifläche weiter.