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Reinickendorf: der ruhige Norden mit Dorfkern und See

Reinickendorf gibt dem ganzen Bezirk seinen Namen, bleibt als Ortsteil aber bodenständig: ein alter Dorfkern, viel Backstein der Zwanzigerjahre, der Schäfersee mitten im Wohngebiet. Wer hier wohnt, schätzt Ruhe, kurze Wege und Preise, die nicht jeden Monat neu verhandelt werden.

Peter Guthmann Peter Guthmann
Lageportraits 7 Min Lesezeit
Wohnen in Reinickendorf

Charakter und Identität

Reinickendorf ist der Ortsteil, der einem ganzen Bezirk seinen Namen gibt, und der trotzdem nie laut darum geworben hat. Im Norden Berlins gelegen, abseits der großen Touristenströme, steht er für etwas, das in der Innenstadt selten geworden ist: bezahlbares Wohnen, überschaubare Straßen und ein Tempo, das einen Gang langsamer läuft. Wer hier lebt, wohnt zwischen Backsteinsiedlung und Dorfkirche, zwischen Seeufer und Schnellstraße.

Die Adresse hat keinen großen Klang, und genau das ist Teil ihres Selbstbilds. Reinickendorf gibt sich bodenständig, eher Arbeiter- und Angestelltenort als Szeneviertel. Zwischen den Wohnanlagen der Zwanzigerjahre und den Einfamilienhausgegenden am Rand leben Menschen, die oft seit Jahrzehnten hier verwurzelt sind, neben jungen Familien, die aus den teuren Innenstadtkiezen herausgezogen sind.

So ist Reinickendorf ein Ortsteil, der nach innen wirkt statt nach außen. Für die einen ist er zu unscheinbar, zu weit draußen, zu wenig hip. Für die anderen ist er genau deshalb attraktiv: ein Ort zum Ankommen, nicht zum Vorzeigen.

Geschichte und Wandel

Reinickendorf war jahrhundertelang ein Dorf vor den Toren Berlins. Erste urkundliche Erwähnungen reichen ins Mittelalter zurück, als hier eine kleine Ackerbürgersiedlung lag, weit entfernt von der Stadt an der Spree. Der alte Dorfkern mit seiner Kirche bildet bis heute einen Ruhepunkt im Gefüge des Ortsteils und erinnert an diese ländliche Vergangenheit.

Mit dem Wachstum Berlins änderte sich alles. 1920 wurde Reinickendorf im Zuge des Groß-Berlin-Gesetzes eingemeindet und gab dem neuen Bezirk seinen Namen. In den Zwanzigerjahren entstanden große Wohnsiedlungen, die den Wohnungsmangel der wachsenden Industriestadt lindern sollten. Der Backsteinexpressionismus dieser Zeit prägt bis heute ganze Straßenzüge.

Die Teilung der Stadt machte Reinickendorf zu einem Ortsteil im Westen, am Rand der eingemauerten Halbstadt. Während andere Bezirke an der Mauer lagen, war Reinickendorf eher Hinterland: ruhig, wohnlich, abseits der politischen Brennpunkte. Nach dem Mauerfall blieb dieser Charakter weitgehend erhalten. Der große Wandel kam erst später, von außen: Der wachsende Druck auf den Berliner Wohnungsmarkt rückte den günstigen Norden in den Blick von Familien und Anlegern, die anderswo nicht mehr mithalten konnten.

Sehenswürdigkeiten und Wahrzeichen

Reinickendorf prunkt nicht mit nationalen Wahrzeichen, sondern mit Orten, die den Alltag tragen. Der Schäfersee mitten im Wohngebiet ist das wohl bekannteste davon: ein kleiner See mit Parkanlage, Spielplätzen und Uferwegen, der mitten unter den Wohnhäusern für Erholung sorgt. An warmen Tagen wird er zum Treffpunkt für den ganzen Ortsteil.

Der historische Dorfkern um die alte Dorfkirche erzählt von der ländlichen Vergangenheit. Hier stehen einige der ältesten Bauten des Ortsteils, ein Kontrast zu den geradlinigen Siedlungen ringsum. Das Rathaus Reinickendorf, Sitz der Bezirksverwaltung, bildet einen weiteren festen Bezugspunkt im Zentrum.

Grün ist in Reinickendorf reichlich vorhanden. Neben dem Schäfersee durchziehen Parkanlagen und Kleingartenkolonien den Ortsteil, und der Norden Berlins insgesamt ist von Wasser und Wald geprägt. Diese Nähe zum Grünen gehört zu den stärksten Argumenten für ein Leben hier.

Beliebte Kieze in Reinickendorf

Rund um den Schäfersee liegt der wohl beliebteste Wohnbereich: dichte Wohnbebauung der Zwanziger- und Dreißigerjahre, viel Backstein, und mittendrin die Grünfläche am Wasser. Wer Ruhe und gleichzeitig kurze Wege sucht, ist hier gut aufgehoben.

Der alte Dorfkern um die Dorfkirche bildet das historische Herz. Hier ist die Bebauung kleinteiliger, der Charakter dörflicher, die Atmosphäre ruhiger als an den großen Straßen.

Entlang der großen Magistralen wie der Residenzstraße verläuft das geschäftige Reinickendorf: Einzelhandel, Verkehr, Versorgung. Hier schlägt der Alltagspuls des Ortsteils, mit U-Bahn-Anschluss und dichter Nahversorgung.

An den Rändern gehen die Wohnsiedlungen in ruhigere Gegenden mit Reihen- und Einfamilienhäusern über. Diese Lagen ziehen Familien an, die Garten und Platz suchen, ohne die Stadt ganz zu verlassen.

Szene und Alltag

Der Alltag in Reinickendorf ist praktisch und unaufgeregt. Statt Galerien und Clubs prägen Bäckereien, Supermärkte, Drogerien und Imbisse das Straßenbild. Die Gastronomie ist bodenständig: Eckkneipen, Eiscafés, türkische und vietnamesische Restaurants, dazu die üblichen Ketten an den Verkehrsknoten.

Eingekauft wird vor allem entlang der Hauptstraßen und in den Nahversorgungszentren. Wochenmärkte versorgen den Ortsteil mit frischen Waren, und für den großen Einkauf sind die Einkaufszentren des Bezirks schnell erreichbar. Wer mehr Auswahl sucht, fährt mit der U-Bahn in Richtung Innenstadt.

Das Freizeitleben spielt sich draußen ab. Der Schäfersee, die Parks und die Kleingärten sind die wahren sozialen Treffpunkte. Vereinsleben, Sportanlagen und Nachbarschaftsinitiativen tragen den Alltag. Reinickendorf ist kein Ort für die durchtanzte Nacht, sondern für den ruhigen Feierabend.

Wer in Reinickendorf lebt

Reinickendorf zählt 86.061 Einwohner und ist damit ein bevölkerungsstarker Ortsteil im Norden Berlins. Die Bevölkerung ist gemischt: alteingesessene Bewohner, viele mit Migrationsgeschichte, und zunehmend zugezogene Familien aus teureren Lagen prägen das Bild.

Die Haushaltsstruktur ist vielfältiger als in der Innenstadt. Neben Singles und Paaren leben hier vergleichsweise viele Familien, was sich in der Größe der Haushalte niederschlägt.

Haushalte nach Größe in Reinickendorf
Verteilung der Haushaltsgrößen (Zensus 2022)
Datentabelle: Haushalte nach Größe in Reinickendorf
HaushaltsgrößeAnzahlAnteil
1 Person25.91860 %
2 Personen8.82521 %
3 Personen3.9589 %
4 Personen2.4256 %
5 Personen1.0522 %
6+ Personen6732 %

Die Altersstruktur ist ausgewogener als in den jungen Szenekiezen. Reinickendorf hat sowohl einen spürbaren Anteil älterer Bewohner, die seit Langem hier wohnen, als auch jüngere Familien mit Kindern.

Altersstruktur in Reinickendorf
Bevölkerung nach Altersgruppen (Anteil)
Datentabelle: Altersstruktur in Reinickendorf
AltersgruppeAnzahlAnteil
unter 64.7886 %
6–156.8538 %
15–182.1022 %
18–2710.10612 %
27–4526.26231 %
45–559.55811 %
55–6511.13913 %
65+15.25318 %

Die Herkunft der Bewohner zeigt, wie sehr der Ortsteil über die Jahrzehnte zur Heimat für Menschen aus vielen Ländern geworden ist.

Herkunft (Migrationshintergrund) in Reinickendorf
Bevölkerung mit Migrationshintergrund nach Herkunftsgebiet
Datentabelle: Herkunft (Migrationshintergrund) in Reinickendorf
HerkunftsgebietAnzahlAnteil
EU12.32834 %
Türkei9.18325 %
nicht zuordenbar3.57310 %
Ukraine1.9175 %
Syrien1.9015 %
Indien1.6555 %
Libanon1.2764 %
Russland1.2463 %
Afghanistan5772 %
Iran5381 %
Vietnam5311 %
Irak4981 %
Kasachstan4051 %
USA283<1 %
Ver. Königreich256<1 %
China230<1 %

Wen es nach Reinickendorf zieht

Der Zuzug nach Reinickendorf hat sich verändert. Lange Zeit war der Ortsteil vor allem ein Ort für die, die schon im Norden verwurzelt waren. Heute kommen verstärkt Menschen aus anderen Berliner Bezirken hinzu, die bezahlbaren Wohnraum suchen und in der Innenstadt nicht mehr fündig werden.

Zuzug nach Reinickendorf
Top-Quellräume des Binnenzuzugs (woher)
#OrtsteilPersonen
1Wedding495
2Gesundbrunnen433
3Moabit244
4Charlottenburg195
5Neukölln185
Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Stand 2024); eigene Berechnung und Darstellung

Unter den Zuziehenden aus dem Ausland sind verschiedene Nationen vertreten, die den internationalen Charakter des Ortsteils weiter formen.

Außenwanderung in Reinickendorf
Zu- und Fortzüge über die Stadtgrenze nach Staatsangehörigkeit
#LandZuzügeFortzügeSaldo
1Indien563170393
2Ukraine297158139
3Türkei262132130
4Bulgarien23021713
5Rumänien18716522
6Polen17413341
7Arabische Republik Syrien1387860
Deutschland1.1471.614-467
Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Stand 2024); eigene Berechnung und Darstellung

Zugleich verlassen Menschen den Ortsteil, manche in Richtung Umland mit eigenem Haus, andere in andere Teile der Stadt.

Fortzug aus Reinickendorf
Top-Zielräume des Binnenfortzugs (wohin)
#OrtsteilPersonen
1Gesundbrunnen307
2Wedding295
3Märkisches Viertel225
4Wittenau189
5Tegel185
Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Stand 2024); eigene Berechnung und Darstellung

Gebäude und Wohnungen

Der Gebäudebestand in Reinickendorf umfasst 5.357 Gebäude. Die Bausubstanz ist geprägt von den Wohnsiedlungen der Zwanziger- und Dreißigerjahre, von Nachkriegsbauten und von Ein- und Mehrfamilienhäusern an den Rändern. Hochhäuser und Neubauten kommen hinzu, doch das Gesamtbild bleibt kleinteiliger als in der Innenstadt.

44.055 Wohnungen verteilen sich auf 42.851 Haushalte. Das Angebot reicht von kompakten Siedlungswohnungen bis zu großzügigen Grundrissen in den Einfamilienhausgegenden.

Wohnungen nach Fläche in Reinickendorf
Wohnungsbestand nach Größenklassen (Zensus 2022)
Datentabelle: Wohnungen nach Fläche in Reinickendorf
GrößenklasseAnzahlAnteil
Unter 40 m²4.72811 %
40-59 m²16.97139 %
60-79 m²15.98036 %
80-99 m²4.21910 %
100-119 m²1.3423 %
120-139 m²4591 %
140-159 m²171<1 %
160-179 m²76<1 %
180-199 m²44<1 %
200+ m²58<1 %

Im Vergleich zur Innenstadt ist der Anteil selbstgenutzten Wohneigentums höher, vor allem in den Reihen- und Einfamilienhauslagen am Rand.

Mieter und Eigentümer in Reinickendorf
Wohnungen nach Nutzungsart (Zensus 2022)
Datentabelle: Mieter und Eigentümer in Reinickendorf
NutzungsartAnzahlAnteil
Vermietet40.05190 %
Selbst genutzt3.0377 %
Leerstehend9222 %
Gewerblich349<1 %

Die Bautätigkeit konzentriert sich auf Nachverdichtung und einzelne Neubauvorhaben, während der Bestand das Bild des Ortsteils weiterhin bestimmt.

Neubau-Aktivität in Reinickendorf
Wohnungssaldo durch Bautätigkeit pro Jahr
Datentabelle: Neubau-Aktivität in Reinickendorf
ZeitraumWohnungssaldo
2021193 Wohnungen
202235 Wohnungen
2023317 Wohnungen
2024237 Wohnungen

Verkehr und Infrastruktur

Reinickendorf ist solide an das Berliner Nahverkehrsnetz angebunden. Die U-Bahn-Linie U8 führt vom Norden quer durch die Stadt bis nach Neukölln, dazu kommen S-Bahn-Anschlüsse und ein dichtes Busnetz. Wer in den meisten Lagen des Ortsteils wohnt, erreicht die Innenstadt in überschaubarer Zeit ohne ständiges Umsteigen.

Für den Autoverkehr ist Reinickendorf gut erschlossen. Große Ausfallstraßen und die Nähe zum Autobahnring machen den Norden für Pendler attraktiv. Parkraum ist weniger knapp als in den zentralen Bezirken, was viele Bewohner zu schätzen wissen.

Die Versorgung mit Schulen, Kitas, Ärzten und Geschäften des täglichen Bedarfs ist gut. Sportanlagen, Bibliotheken und die Grünflächen am Wasser runden das Bild ab. Reinickendorf bietet die Infrastruktur, die ein Wohnort braucht, ohne den Druck und die Dichte der Innenstadt.

Für wen Reinickendorf passt

Reinickendorf passt für Menschen, die Ruhe und bezahlbares Wohnen über Zentralität stellen. Familien finden hier mehr Platz fürs Geld, Grünflächen vor der Tür und eine ruhige Nachbarschaft. Wer Garten oder ein eigenes Haus sucht, findet an den Rändern des Ortsteils Lagen, die in der Innenstadt kaum bezahlbar wären.

Für Kapitalanleger ist Reinickendorf interessant, weil der Einstieg günstiger ausfällt als in den zentralen Bezirken und die Nachfrage durch den Druck auf den Gesamtmarkt steigt. Wer auf langfristige Vermietung und solide Substanz setzt, findet hier einen stabilen Markt mit Aufholpotenzial.

Weniger geeignet ist Reinickendorf für die, die das pulsierende Nachtleben und die kurze Wege zu Kultur und Szene suchen. Bis ins Zentrum braucht es Zeit, und das gastronomische Angebot bleibt bodenständig. Reinickendorf ist der Ortsteil für die, die abends ankommen wollen, mit See, Backstein und etwas mehr Luft zum Atmen.

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