Stadtentwicklung
Flächennutzungsplan und aktuelle Marktdaten 2016
Wohnungsbau in Berlin: Senat schafft Baurecht für über 1.000 neue Wohnungen
Der Senat gibt neue Bauflächen in Mitte, Reinickendorf und Neukölln frei. Gleichzeitig warnt der IVD, die Planung reiche bei Weitem nicht aus. Aktuelle Zahlen zeigen einen Boom bei Neubauten.
Peter Guthmann
Im Frühjahr 2016 trafen in Berlin mehrere Entwicklungen aufeinander: Der Senat gab neue Bauflächen frei, die Baugenehmigungen für Neubauwohnungen stiegen, und der IVD kritisierte die Bedarfsplanung als zu niedrig.
Neue Bauflächen in vier Bezirken
Der Senat beschloss Änderungen am Flächennutzungsplan für Mitte, Reinickendorf, Tempelhof-Schöneberg und Neukölln. In Mitte/Reinickendorf wurden Teile älterer Friedhofsflächen für den Wohnungsbau umgewidmet (Barfusstraße/Holländerstraße/Gotthardstraße). In Tempelhof-Schöneberg/Neukölln entstand Baurecht auf ehemaligen Gärtnereiflächen (Britzer Straße/Mohriner Allee). Potenzial: über 1.000 Wohnungen.
Dem Beschluss war ein Abstimmungsverfahren mit Bezirksämtern, Planungsträgern und Bürgern vorausgegangen.
Baugenehmigungen: Neubau boomt, Dachausbau bricht ein
Die Statistik für das erste Quartal 2016 zeigte eine klare Verschiebung. Die Genehmigungen für Neubauwohnungen stiegen um 22,1 Prozent auf 5.129 Einheiten, davon 4.617 in Mehrfamilienhäusern (+25,1 Prozent).
Gleichzeitig brachen die Genehmigungen für Um- und Ausbau um 55,9 Prozent auf 688 Einheiten ein. Dachgeschossausbauten, früher ein beliebtes Mittel zur Nachverdichtung, verloren stark an Bedeutung. Die meisten Genehmigungen gingen an Charlottenburg-Wilmersdorf, Mitte und Pankow.
IVD: Planung reicht nicht aus
Trotz steigender Genehmigungszahlen kritisierte der IVD die Bedarfsplanung des Senats. Marco Wölfle vom Center for Real Estate Studies bezifferte den realen Bedarf auf bis zu das Dreifache der geplanten 15.000 bis 20.000 Wohneinheiten pro Jahr. Laut Statistischem Bundesamt war der Wohnungsbestand in Berlin im Fünfjahreszeitraum davor nur um 23.000 Einheiten gewachsen.
Einordnung
Neues Baurecht und steigende Genehmigungen waren positive Signale. Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage blieb allerdings groß. Die Marktentwicklung der Folgejahre bestätigte: Der Preisdruck auf dem Berliner Wohnungsmarkt hielt an.