Marktanalysen
BBU zu Baukosten und Bauordnung
BBU warnt: Neue Bauauflagen verteuern Berliner Neubauwohnungen um 27.000 Euro
Laut BBU steigen die Baukosten 2016 um bis zu 17 Prozent. Die novellierte Bauordnung und die nächste Stufe der EnEV treiben eine 75-qm-Wohnung auf eine Kostenmiete von 12,50 €/m².
Peter Guthmann
BBU-Vorstand Maren Kern warnt vor einem Kostensprung im Berliner Wohnungsneubau. Eine durchschnittliche 75-Quadratmeter-Wohnung werde sich 2016 um bis zu 27.000 Euro verteuern. Das entspricht einem Anstieg von rund 17 Prozent und einer rechnerischen Nettokaltmiete von 12,50 Euro pro Quadratmeter. Pro Mieterhaushalt bedeutet das über 1.300 Euro Mehrbelastung im Jahr.
Bauordnung: Barrierefreiheit als Kostentreiber
Hauptursache ist laut Kern die Novellierung der Berliner Bauordnung. Die neuen Regelungen sehen vor, dass zunächst ein Drittel aller Neubauwohnungen barrierefrei errichtet werden müssen. Ab 2020 sollen es 50 Prozent sein. Der höhere Flächenbedarf und Planungsaufwand führen zu einer Baukostensteigerung von bis zu zehn Prozent, rund 16.000 Euro pro Wohnung. "Nach der kräftigen Anhebung der Grunderwerbsteuer im letzten Jahr soll mit der Novellierung der Bauordnung jetzt der nächste staatlich verordnete Kostensprung beim Wohnen folgen", so Kern.
EnEV 2016: Weitere sieben Prozent
Ab Januar 2016 wird die nächste Stufe der Energieeinsparverordnung (EnEV) wirksam. Strengere energetische Standards für Neubauten schlagen laut BBU mit bis zu sieben Prozent Mehrkosten zu Buche. Zusammen mit der Bauordnung ergibt das den prognostizierten Anstieg von 17 Prozent.
Folgen für den Berliner Markt
Steigende Baukosten verschieben den Fokus vieler Projekte ins höherpreisige Segment. Bezahlbarer Neubau wird schwieriger. In nachgefragten Lagen wie Mitte oder Neukölln verschärft das die ohnehin angespannte Lage für Wohnungssuchende.
Kern fordert praxisnähere Lösungen
Statt starrer Vorgaben plädiert die BBU-Vorständin für flexible Konzepte: stufenlose Zugänglichkeit, bodengleiche Duschen und vergrösserte Bewegungsflächen genügten in den meisten Fällen. Eine praxisgerechte Definition von Barrierefreiheit könnte die Baukosten senken, ohne den Nutzen für ältere Menschen zu mindern. "Damit günstiger Wohnraum für alle entsteht, müssen die Baustandards sinken, nicht steigen", fordert Kern.