Stadtentwicklung
Wohnungsbau in Berlin
Bauland in Berlin: Bezirke sehen noch ausreichend Potenzial für neue Wohnungen
Eine Tagesspiegel-Umfrage unter den Berliner Bezirken zeigt 2015: Theoretisch reichen die Baulandreserven für den prognostizierten Bedarf. In der Praxis bremsen Anwohnerproteste und Genehmigungsverfahren.
Peter Guthmann
Gibt es in Berlin genug Bauflächen für den wachsenden Wohnungsbedarf? Eine Umfrage des Tagesspiegels bei den Berliner Bezirksämtern lieferte 2015 zumindest auf dem Papier eine beruhigende Antwort: Das Potenzial reicht, um den Bedarf an neuen Wohnungen in Berlin für die kommenden Jahre zu decken.
Was die Bezirke meldeten
Mehrere Bezirke konnten ihre Reserven konkret beziffern. Im Bezirk Mitte wurde der Bedarf bis 2020 auf 14.800 bis 17.400 Wohneinheiten geschätzt. CDU-Stadtrat Carsten Spallek gab gegenüber dem Tagesspiegel an, dass dem ein Potenzial von rund 17.585 Wohneinheiten gegenüberstehe.
SPD-Stadtrat Marc Schulte sah für Charlottenburg-Wilmersdorf "keine wirklichen Engpässe" und bezifferte die Freiflächen auf Potenzial für rund 6.000 weitere Einheiten. In Friedrichshain-Kreuzberg existierten laut Grünen-Stadtrat Hans Panhoff für fast alle Brachflächen bereits Pläne, die ausreichten, um den Bevölkerungszuwachs aufzufangen.
Wo die Potenziale lagen
Die Reserven verteilten sich auf verschiedene Kategorien: ehemalige Industrie- und Bahngelände, die Platz für größere Quartiersentwicklungen boten; Baulücken in bestehenden Wohngebieten; Dachgeschossausbauten und Aufstockungen auf bestehenden Gebäuden; sowie die Umnutzung von Gewerbe- oder Büroflächen zu Wohnraum.
Theorie und Praxis
Trotz des rechnerischen Potenzials stießen Bauvorhaben in der Praxis auf Widerstand. Ein Beispiel war das an den Mauerpark angrenzende Gelände in Mitte, wo 700 Wohnungen entstehen sollten. Eine Anwohnerinitiative setzte sich dafür ein, die Fläche stattdessen als Parkanlage zu nutzen. Solche Konflikte zwischen Projektentwicklern und Anwohnern konnten Vorhaben um Jahre verzögern oder ganz verhindern. Hinzu kamen langwierige Genehmigungsverfahren.
Einordnung für Investoren
Die Umfrage von 2015 zeigte ein zweigeteiltes Bild: Die Baulandreserven waren vorhanden, ihre Realisierung aber an gesellschaftliche und administrative Hürden gebunden. Für Immobilieninvestoren bedeutete das, dass eine Standortanalyse neben Lage und Preis auch das lokale politische Klima und mögliche Anwohnerinteressen einbeziehen musste.