Marktanalysen
BER-Flughafen und Immobilien 2016
Schallschutz am BER: Tausende Eigentümer warten auf Umsetzung
Von 20.000 gestellten Anträgen auf Schallschutz am BER wurden bis 2016 nur rund 2.500 teilweise oder ganz umgesetzt. Der VDGN kritisiert die Flughafengesellschaft scharf.
Peter Guthmann
Schleppende Umsetzung trotz Rechtsanspruch
Die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) kommt beim Schallschutz für Anwohner kaum voran. Laut Verband Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) haben rund 20.000 Hauseigentümer Anträge auf Schallschutz gestellt. 17.000 davon haben eine Anspruchsermittlung erhalten. Aber nur bei etwa 2.500 Antragstellern sind die bewilligten Maßnahmen ganz oder teilweise umgesetzt. Im letzten halben Jahr: sechs abgeschlossene schalltechnische Haussanierungen.
"Die FBB hat in punkto Schallschutz für die Anwohner bisher nur das getan, wozu sie juristisch durch Gerichtsurteile oder durch massiven Protest der Bürger und ihrer Interessenvertreter gezwungen wurde", sagte VDGN-Präsident Peter Ohm.
Betroffene Gebiete
Die Lärmschutzzonen reichen über Schönefeld hinaus. Auch Blankenfelde-Mahlow, Großziethen und Berliner Ortsteile wie Lichtenrade, Rudow und Bohnsdorf sind betroffen. In diesen Lagen kann mangelhafter Schallschutz den Wert von Immobilien direkt beeinflussen. Ein nicht ausreichend geschütztes Objekt wird am Markt mit Abschlägen gehandelt.
Für Investoren im südlichen Berlin, das auch Teile von Neukölln berührt, war der Status der Schallschutzmaßnahmen ein Faktor bei der Immobilienbewertung.
Rechtliche Lage
Die FBB ist durch den Planfeststellungsbeschluss verpflichtet, die Kosten für den Schallschutz in den definierten Schutzzonen zu übernehmen. Kritiker warfen der Gesellschaft vor, dieser Pflicht nur auf juristischen oder öffentlichen Druck nachzukommen. Der VDGN warnte, dass fehlender Schallschutz die Inbetriebnahme des Flughafens weiter gefährden könnte.
Eigentümern wurde empfohlen, ihren Anspruch genau zu prüfen und die Umsetzung bei der FBB einzufordern. Die Marktdaten für die Region zeigen, dass die Unsicherheit rund um den BER die lokale Preisentwicklung beeinflusste.