Stadtentwicklung
Stadtentwicklung Berlin
Lichterfelde-Süd 2015: Als ein Bürgerbegehren 2.500 neue Wohnungen in Berlin verhindern wollte
Auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz in Lichterfelde-Süd sollten 2.500 Wohnungen entstehen. Eine Bürgerinitiative wollte das verhindern. Der Fall zeigt, wie Anwohnerproteste Berliner Bauprojekte verzögern.
Peter Guthmann
Im April 2015 genehmigte das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf einen Antrag auf ein Bürgerbegehren in Lichterfelde-Süd. Das Ziel: den geplanten Bau von rund 2.500 Wohnungen auf einem ehemaligen US-Truppenübungsplatz zu reduzieren. Die Senatsverwaltung für Inneres musste über die rechtliche Zulässigkeit entscheiden.
Verkehrskollaps gegen Wohnungsmangel
Die Fronten waren klar. Die Bürgerinitiative befürchtete Verkehrschaos auf den bereits ausgelasteten Straßen des Bezirks, den Verlust von Naturflächen und steigende Mieten in der Umgebung. Statt 2.500 Einheiten sollten nur rund 1.500 gebaut werden. Die Stadtentwickler hielten dagegen: Bei stetigem Zuzug und angespanntem Wohnungsmarkt sei der Neubau dringend nötig.
Vom Bürgerentscheid zum Bauprojekt
Das Bürgerbegehren hatte Erfolg und führte 2017 zu einem Bürgerentscheid. Eine Mehrheit der Abstimmenden votierte zwar für die Reduzierung, das notwendige Quorum wurde jedoch nicht erreicht. Der Weg für die weitere Planung war damit frei. Das Projekt, heute unter dem Namen "Neulichterfelde" bekannt, wurde in den Folgejahren weiterentwickelt. Der Baustart kam erst Jahre später, ein Beispiel für die langen Zeiträume zwischen erster Idee und Fertigstellung in Berlin.
Was der Fall für Investoren bedeutet
Der Fall Lichterfelde-Süd verdeutlicht mehrere Faktoren des Berliner Marktes. Bürgerinitiativen und politische Verfahren können Bauvorhaben um Jahre verzögern oder deren Umfang verändern. Dieses Risiko muss bei der Kalkulation von Neubauprojekten berücksichtigt werden. Gleichzeitig stützt der Widerstand gegen Nachverdichtung in etablierten Lagen die Wertentwicklung von Bestandsimmobilien, weil das Angebot weiterhin knapp bleibt.