Marktanalysen
Soziodemografie als Investmentfaktor
Internationale Communities in Berlin 2017: Wie soziodemografische Cluster den Immobilienmarkt beeinflussen
Berlin ist Heimat für über 200 Nationen. Doch wo leben die internationalen Communities? Unsere Datenanalyse für 2017 zeigt, welche Bezirke von welchen Gruppen bevorzugt werden und was das für Immobilieninvestoren bedeutet.
Peter Guthmann
Berlin ist Heimat für Menschen aus über 200 Ländern. Fast 31 Prozent der Einwohner haben keinen deutschen Pass, 53 Prozent wurden nicht in Berlin geboren. Diese Vielfalt prägt nicht nur die Kultur, sondern auch den Immobilienmarkt. Wo bilden sich Nationalitäten-Cluster und wie beeinflussen sie die Nachfrage in den einzelnen Kiezen?
Unsere Auswertung der Daten aus dem Jahr 2016 zeigt, welche Communities in welchen Bezirken stark vertreten sind.
Die größten internationalen Communities
Die Zusammensetzung der internationalen Bevölkerung verändert sich. Die Zuwanderung aus südeuropäischen Ländern wie Italien und Spanien hat nach der Erholung dortiger Märkte nachgelassen. Die rumänische Community wächst dagegen stark. Hinzu kommen Verschiebungen durch die Flüchtlingssituation 2015/2016.
Die zehn größten Gruppen nach Bevölkerungsanteil: Türkei (176.730), Polen (108.000), Russland (53.753), Italien (34.600), Syrien (33.000), Bulgarien (30.000), Libanon (28.914), Serbien (27.000), USA (26.000), Vietnam (25.637).
Die Verteilung im Stadtgebiet ist keineswegs gleichmäßig. Während einige Nationalitäten über die ganze Stadt verstreut leben, haben andere seit Jahrzehnten feste Ankerpunkte in bestimmten Bezirken.
Community-Cluster als Nachfrage-Indikator
Die Konzentration bestimmter Nationalitäten in einzelnen Stadtteilen ist für Investoren mehr als eine soziologische Beobachtung. Diese demografischen Muster beeinflussen, welche Art von Wohnungen in Berlin nachgefragt wird, wie stabil Mietverhältnisse sind und wie sich Lagen entwickeln.
Stabile Nachfrage in etablierten Zentren
Langjährig etablierte Gemeinschaften wie die türkische, libanesische oder vietnamesische Community haben in ihren Kernbezirken eine eigene Infrastruktur aufgebaut. In Neukölln, Kreuzberg, Wedding oder Lichtenberg sorgen spezialisierte Geschäfte, Kulturvereine und soziale Netzwerke für Anziehungskraft innerhalb der jeweiligen Gruppe.
Für Eigentümer heißt das: konstant hohe Nachfrage, besonders nach größeren Familienwohnungen. Die Fluktuation ist oft geringer, weil die soziale Einbindung im Kiez ein Standortfaktor ist. Investitionen in diesen Gebieten bringen oft langfristig sichere Mieteinnahmen, auch wenn die Renditesprünge moderater ausfallen als in aufstrebenden Trendlagen.
Wachstum durch internationale Fachkräfte
Anders verhält es sich bei Zuzüglern aus einkommensstärkeren Ländern wie den USA oder Italien. Diese Gruppen suchen weniger die traditionellen Community-Cluster, sondern gezielt die Szenekieze innerhalb des S-Bahn-Rings: Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Mitte und Kreuzberg.
Gefragt sind hier kleinere bis mittelgroße, gut ausgestattete Wohnungen in zentraler Lage. Für Investoren entsteht Potenzial für höhere Mietpreise und Wertsteigerung. Die internationale Nachfrage in diesen Lagen treibt die Marktentwicklung in den zentralen Bezirken.
Demografische Daten nutzen
Die Analyse der Wohnorte internationaler Communities zeigt ein differenziertes Bild. Einerseits gibt es stabile, historisch gewachsene Cluster, die für verlässliche Nachfrage in Bezirken wie Neukölln, Wedding oder Lichtenberg sorgen. Andererseits treibt der Zuzug einkommensstarker internationaler Fachkräfte die Preise in den zentralen Trendlagen. Wer in Berlin investiert, sollte diese soziodemografischen Muster kennen. Sie geben Aufschluss darüber, welche Art von Wohnraum in welchem Kiez gefragt ist.