Recht & Politik
Adressen in der City West
Tauentzienstraße wird Kurfürstendamm? Was der Vorschlag für Immobilien bedeutet
Die AG City schlägt vor, die Tauentzienstraße in Kurfürstendamm umzubenennen. Was der Vorstoß für Eigentümer an Berlins meistfrequentierter Einkaufsstraße bedeutet.
Peter Guthmann
Die Arbeitsgemeinschaft City (AG City) hat vorgeschlagen, den rund 500 Meter langen Abschnitt der Tauentzienstraße offiziell in "Kurfürstendamm" umzubenennen. Die Begründung: Die meisten Berliner und Touristen empfinden den Boulevard mit dem KaDeWe ohnehin als Teil des Ku'damms. Der Vorstoß betrifft direkt den lokalen Immobilienmarkt.
Zwei Straßen, eine Geschichte
Der Kurfürstendamm wurde ab 1886 nach Plänen von Otto von Bismarck zum repräsentativen Boulevard ausgebaut. Die Tauentzienstraße, benannt nach dem preußischen General Bogislav von Tauentzien, entstand zwischen 1860 und 1890 und verbindet den Wittenbergplatz in Schöneberg mit dem Breitscheidplatz in Charlottenburg. Ursprünglich eine der ersten Wohnadressen Berlins, wandelte sich die Straße mit der Eröffnung des KaDeWe 1907 zur Geschäftsstraße. Heute ist sie Berlins meistbesuchte Einkaufsmeile.
Das Argument der Befürworter
Für Einzelhandel und Tourismusbranche liegt der Vorteil auf der Hand: Der Name "Kurfürstendamm" ist international bekannt und steht für gehobenes Shopping. Eine einheitliche Benennung des gesamten Boulevards vom Rathenauplatz bis zum Wittenbergplatz würde die Vermarktung vereinfachen. Dieser Vorstoß passt zur aktuellen Marktentwicklung, die auf eine Stärkung der City West als Standort abzielt.
Folgen für Eigentümer
Für Immobilieneigentümer an der Tauentzienstraße hätte die Umbenennung zwei Seiten. Kurzfristig bedeutet sie Aufwand: Adressen in Grundbüchern, Mietverträgen und Firmendokumenten müssten geändert werden. Langfristig könnte eine Adresse am "Kurfürstendamm" die Nachfrage nach Gewerbeflächen und Wohnungen in der Lage verändern. Der Name hat eine höhere Strahlkraft, was sich in den Mieterwartungen für Gewerbeflächen niederschlagen könnte.
Widerstand aus den Bezirken
Die Bezirkspolitiker von Tempelhof-Schöneberg und Charlottenburg-Wilmersdorf zeigen sich skeptisch. Sie verweisen auf die historische Eigenständigkeit der Tauentzienstraße und die Tradition des Namens. Auch viele Anwohner und alteingesessene Eigentümer haben eine Bindung an die bestehende Adresse. Ob die wirtschaftlichen Argumente sich gegen das Traditionsbewusstsein durchsetzen, ist offen.