Marktanalysen
Marktanalyse nach dem UK-Votum
Brexit und Berliner Immobilienmarkt: Steigen jetzt die Preise?
Das Brexit-Votum verunsichert die Märkte. Doch Berlin könnte profitieren: Fliesst Kapital aus London in die deutsche Hauptstadt? Eine Einordnung für Investoren und Eigentümer.
Peter Guthmann
Das Votum der Briten für einen EU-Austritt sorgt europaweit für Unsicherheit. London steht als Finanz- und Technologiezentrum vor einer ungewissen Zukunft, und Berlin wird als möglicher Profiteur gehandelt. Was bedeutet der Brexit konkret für die Immobilienpreise in der deutschen Hauptstadt?
Berlins Anziehungskraft auf britische Unternehmen
Für britische Unternehmer und Kreative war Berlin schon länger attraktiv. Vergleichsweise niedrige Büromieten und Lebenshaltungskosten sind seit Jahren ein Argument für den Standort. Bislang stand die Stadt aber im Schatten Londons, das als Technologie-Hauptstadt Europas gilt. Das Brexit-Votum könnte dieses Verhältnis verschieben. Der Wegfall der Arbeitnehmerfreizügigkeit erschwert es britischen Unternehmen, EU-Talente zu rekrutieren, was Berlin als Alternative stärkt.
Konkurrenz durch Frankfurt, Paris und Dublin
Berlin ist nicht der einzige Anwärter. Im Finanzsektor spielt die Hauptstadt eine untergeordnete Rolle. Frankfurt, Paris, Dublin und Luxemburg positionieren sich stärker, um Banken und Finanzdienstleister aus London abzuwerben. Berlins Stärke liegt in der Digitalwirtschaft und der Start-up-Szene, die sich in Bezirken wie Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg konzentriert.
Mehr Kapital für den deutschen Immobilienmarkt?
Unabhängig vom Standortwettbewerb im Finanzsektor dürfte durch den Brexit mehr internationales Kapital in den deutschen Immobilienmarkt fliessen. In London zeigen sich bereits erste Anzeichen einer Abkühlung, Immobilien verlieren an Wert. Vor allem ausländische Anleger dürften Kapital aus Grossbritannien abziehen und in stabilere Märkte umschichten. Berlin steht dabei als Ziel für Investitionen in Wohnungen und Gewerbeimmobilien hoch im Kurs. Aktuell verhalten sich Anleger aber noch abwartend. Ein sprunghafter Preisanstieg allein durch den Brexit ist bisher nicht messbar.
Zwischen Optimismus und Abwarten
Eine Umfrage von Ernst & Young Real Estate unter Investoren, Entwicklern und Beratern des deutschen Immobilienmarktes bestätigt die überwiegend positiven Erwartungen. Die Befragten rechnen mit steigenden Kaufpreisen für Wohnimmobilien und Büros in den Metropolen. Die allgemeine Marktentwicklung wird also positiv eingeschätzt.
Gleichzeitig zeigt die Umfrage die Unsicherheit: Über 50 Prozent der Befragten halten die konkreten Folgen des Brexit für noch nicht absehbar. Ein Drittel der Immobilienprofis rechnet sogar mit negativen Auswirkungen auf das eigene Unternehmen. Für Eigentümer und Investoren in Berlin heisst das: beobachten. Die fundamentalen Daten des Berliner Marktes sind stabil, aber die globalen politischen Unsicherheiten bleiben ein Faktor.