Marktanalysen
Kreuzberger Mikrolage
Graefekiez in Kreuzberg: Steigende Preise in der Mikrolage am Landwehrkanal
Der Graefekiez zählt rund 18.100 Einwohner und wenig Fluktuation. Die Kaufpreise steigen überproportional zu anderen Kreuzberger Lagen.
Peter Guthmann
Zwischen Kottbusser Damm und Urbanstraße, am Landwehrkanal, liegt der Graefekiez. Kleine Läden, Cafés und Restaurants eröffnen hier seit einigen Jahren eines nach dem anderen. Die Graefestrasse ist so etwas wie eine Flaniermeile im Kleinen geworden.
Vom Geheimtipp zum gefragten Kiez
Schon in den 90er Jahren galten Graefe-, Dieffenbach- und Grimmstraße als Tipp für alle, die das ruhige Kreuzberg suchten. Damals war der Kiez eine Randlage mit wenig Gastronomie. Erst nach 2000 änderte sich das. Aus dem reinen Mieterkiez wurde eine Gegend, in der auch Käufer nach Wohnungen suchen.
Laut Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zählte der Kiez Ende 2008 rund 18.100 Einwohner. Etwa ein Drittel davon sind Ausländer. Auf 100 Einwohner kommen 5,9 Kinder und 15,5 Jugendliche unter 18 Jahren.
Preisentwicklung
Die geringe Fluktuation und die überschaubare Größe der Mikrolage treiben die Preise. Kauf- und Mietpreise steigen hier überproportional zu anderen Kreuzberger Lagen. Die Nähe zu Neukölln mit seinen günstigeren Einstiegspreisen verstärkt den Vergleichseffekt.
Was den Kiez ausmacht
Viele Altbauten, weitgehend verkehrsberuhigte Straßen, der Landwehrkanal und im Sommer viel Grün geben dem Quartier eine fast dörfliche Atmosphäre. Nette Bars, ein für Kinder ungefährliches Umfeld.
Aber es gibt auch Schattenseiten. An vielen Ecken wirkt der Kiez ungepflegt. Die Stadtreinigung kommt mit dem Müll nicht hinterher, wozu auch die vielen Imbisse und die Sorglosigkeit mancher Bewohner beitragen. Im Sommer klagen Anwohner über Lärm, denn der Kiez hat es in Reiseführer und Blogs geschafft, und das Partypublikum kommt mit. Wer hier mit offenem Fenster schlafen möchte, braucht im Juli Geduld.