Marktanalysen
Berlin Real Estate Story: Teil II
Wie internationale Käufer den Berliner Immobilienmarkt nach 2008 veränderten
Nach der Subprime-Krise strömten Käufer aus Europa und Übersee nach Berlin. Sie suchten nicht nur einen sicheren Hafen, sondern veränderten die gesamte Marktdynamik.
Peter Guthmann
Die globale Finanzkrise ab 2007 erschütterte Immobilienmärkte weltweit. Für Berlin markierte sie den Beginn eines Aufschwungs. Während in den USA, Spanien und Irland Immobilienblasen platzten, wurde die deutsche Hauptstadt zum Ziel für internationales Kapital. Dieser Wandel hat die Preisentwicklung dauerhaft verändert.
Warum Berlin profitierte
Mitte der 2000er Jahre war Berlin alles andere als ein attraktiver Immobilienstandort. Niedrige Mieten, schwache Wirtschaft, stagnierende Bevölkerung. Genau dieses niedrige Preisniveau wurde nach 2008 zum Vorteil. Anleger und Privat-Käufer suchten Stabilität. Berlin bot beides: Sicherheit im deutschen Rechtsrahmen und Kaufpreise, die im internationalen Vergleich kaum zu unterbieten waren.
Europäische Zuzügler prägen die Bezirke
Die ersten internationalen Käufer waren junge Europäer. Spanier, Italiener und Iren kamen nach Berlin, weil die Arbeitsmärkte in ihren Heimatländern am Boden lagen. Sie belebten Bezirke wie Neukölln und Kreuzberg. Für viele war der Kauf einer Wohnung naheliegend, weil die Preise weit unter denen ihrer Heimatstädte lagen. In Italien liegt die Eigentumsquote bei über 80 Prozent, in Spanien ähnlich hoch. Die Idee, zur Miete zu wohnen, war für viele Zuzügler ungewohnt.
Besonders auffällig: In Irland lagen die Immobilienpreise trotz der Krise deutlich über dem Berliner Niveau. Wer in Dublin ein Apartment finanzieren konnte, bekam in Berlin zwei. Diese Preisdifferenz lockte Käufer, die sonst nie nach Berlin gekommen wären.
Vom Lifestyle-Kauf zur Kapitalanlage
Mit der Zeit veränderte sich das Profil der internationalen Käufer. Im Bestandssegment dominierten weiterhin Käufer aus Italien, Israel und Frankreich. Im Neubausegment traten zunehmend Investoren aus Russland, der Schweiz und China in Erscheinung. Berlin entwickelte sich von einem Geheimtipp für junge Europäer zu einem etablierten Ziel für globale Kapitalanleger. Zwischen 2010 und 2019 stammten die Käufer von Wohnungen in Berlin aus über 110 Nationen.
Was das für Eigentümer bedeutet
Die breite Streuung der Käufernationalitäten macht den Markt widerstandsfähiger gegenüber Konjunkturschwankungen einzelner Länder. Die Nachfrage aus dem Ausland stützt die Preisstabilität. Für Eigentümer in Mitte oder Prenzlauer Berg, aber auch in aufstrebenden Lagen, bedeutet die Internationalisierung eine breitere Kapitalbasis und langfristig stabile Nachfrage.