Marktanalysen
Berliner Wohnungsmarkt unter Druck
Kleine Wohnungen in Berlin 2014: Warum der Nachfragedruck die Mieten steigen ließ
Nicht nur Studenten trieben die Preise: In Berlin erhöhte der Mangel an kleinen Wohnungen für verschiedene Bevölkerungsgruppen den Druck auf den gesamten Mietmarkt.
Peter Guthmann
Im Berliner Mietmarkt wurden die Preise 2014 nicht nur von zugezogenen Studenten oder Gründern nach oben getrieben. Auch verschiedene sozial schwache Gruppen erhöhten den Druck auf den ohnehin knappen Wohnungsmarkt. Wer eine bezahlbare Ein- oder Zwei-Zimmer-Wohnung suchte, stand in Konkurrenz zu Tausenden anderen.
Viele Gruppen, ein Marktsegment
Laut Sozialsenator Mario Czaja (CDU) lebten damals rund 1.800 anerkannte Asylbewerber in Unterkünften, die dringend eine reguläre Wohnung in Berlin suchten, aber keine fanden. Dazu kamen alleinstehende Senioren mit geringer Rente, Empfänger von Arbeitslosengeld II und andere einkommensschwache Haushalte. Sie alle brauchten Wohnraum, der den sozialhilferechtlichen Kriterien entsprach: klein und günstig.
Dieser geballte Bedarf traf auf ein historisch niedriges Angebot. In einem Bericht der Gesundheitsverwaltung an den Hauptausschuss hieß es dazu: "Aufgrund jahrzehntelanger geringer bis keiner Bautätigkeit bestehen heute faktisch keine Reserven im Wohnungsmarkt mehr."
Steigende Mieten als Folge
Auch wenn viele dieser Personengruppen für private Vermieter nicht die Wunschmieter waren, hatte ihre schiere Anzahl Auswirkungen auf die Mietentwicklung. Jede Wohnung, die durch soziale Träger oder das Jobcenter belegt wurde, stand dem freien Markt nicht mehr zur Verfügung. Das verschärfte den Wettbewerb unter allen anderen Suchenden.
Heiko Thomas, gesundheitspolitischer Sprecher der Grünen, warnte vor einer "drohenden sozialen Katastrophe". Besonders in innenstadtnahen Bezirken wie Neukölln oder Friedrichshain war die Konkurrenz um kleine Wohnungen bereits enorm.
Versäumnisse im Wohnungsbau
Die Wurzeln des Problems lagen in der Vergangenheit. Nach dem Fall der Mauer und einem kurzen Bauboom stagnierte der Wohnungsneubau in Berlin über Jahre. Die Stadt galt als verschuldet, die Bevölkerung schrumpfte zeitweise sogar. Als dann jährlich über 30.000 Menschen in die Stadt zogen, fehlten die Reserven. Der Markt hatte schlicht nichts mehr zu bieten.
Folgen für Eigentümer und Investoren
Für Eigentümer bedeutete die Lage minimale Leerstandsquoten und hohe Vermietungssicherheit, besonders im Segment kleiner Wohnungen. Gleichzeitig signalisierte der Mangel einen Bedarf an Neubauprojekten, vor allem bei Mikroapartments und Zwei-Zimmer-Wohnungen. Die Nachfrage war absehbar nicht rückläufig, und die politische Debatte um bezahlbaren Wohnraum nahm gerade erst Fahrt auf.