Marktanalysen
Berliner Mietwohnungsmarkt
Bestellerprinzip: Zahl der Mietangebote in Berlin bricht im Juni 2015 ein
Nach Einführung des Bestellerprinzips sank die Zahl der inserierten Mietwohnungen in Berlin im Juni 2015 um 14 Prozent. Besonders betroffen: kleine Wohnungen und beliebte Innenstadtbezirke.
Peter Guthmann
Im Juni 2015 wurden in Berlin rund 2.000 Mietwohnungen weniger öffentlich inseriert als im Vormonat, ein Rückgang von 14 Prozent. Das geht aus einer Erhebung des Hamburger Datenanalyseunternehmens IMMO INFO hervor, die im Auftrag des IVD Berlin-Brandenburg durchgeführt wurde.
Der IVD sieht einen klaren Zusammenhang mit dem Bestellerprinzip, das am 1. Juni in Kraft trat. Die neue Regelung legt fest, dass derjenige den Makler bezahlt, der ihn beauftragt, bei Vermietungen also in der Regel der Eigentümer. Dirk Wohltorf, Vorstandsvorsitzender des IVD Berlin-Brandenburg, kommentierte: "Im Klartext heißt das: Die Wohnungssuche in Berlin wird schwieriger und der Markt intransparenter." Viele Vermieter würden auf Makler und öffentliche Inserate verzichten und stattdessen "lieber unter der Hand" vermieten.
Kleine Wohnungen besonders betroffen
Der stärkste Rückgang betrifft Ein- und Zweizimmerwohnungen. Hier sank die Zahl der Angebote von 7.212 auf 6.087, ein Minus von 16 Prozent. Dieses Segment ist für den Berliner Markt besonders relevant, weil es vor allem von Studierenden, Singles und jungen Berufstätigen nachgefragt wird.
Beliebte Bezirke verlieren überdurchschnittlich
Regional trifft es vor allem die ohnehin angespannten Innenstadtbezirke. Über alle Wohnungsgrößen hinweg verzeichneten Friedrichshain-Kreuzberg ein Minus von 22,5 Prozent, Pankow 21,5 Prozent und Charlottenburg-Wilmersdorf 17,5 Prozent. In diesen Lagen, wo die Konkurrenz unter Suchenden schon vorher hoch war, dürfte sich die Situation weiter verschärfen.
Folgen für Eigentümer und Mieter
Für Eigentümer von Wohnungen kann die private Vermietung ohne Makler Kosten sparen. Gleichzeitig erschwert der Mangel an öffentlichen Vergleichsangeboten eine marktgerechte Preisfindung. Wer die aktuelle Marktentwicklung einschätzen will, hat weniger Datenpunkte zur Verfügung.
Ob der Einbruch eine kurzfristige Reaktion auf die Gesetzesänderung bleibt oder sich ein dauerhafter Schattenmarkt entwickelt, werden die nächsten Monate zeigen.