Stadtentwicklung
Wohnungsbau Berlin
Bausenator Geisel: Berlin braucht 100.000 neue Wohnungen in den nächsten zehn Jahren
175.000 Neuberliner in vier Jahren, steigende Mieten, kaum Leerstand: Bausenator Geisel startete 2015 eine Offensive für 100.000 neue Wohnungen und kritisierte die Blockadehaltung von Anwohnern.
Peter Guthmann
Berlins Bausenator Andreas Geisel (SPD) startete 2015 eine öffentliche Offensive für mehr Wohnungsneubau. Bei einer Veranstaltung im Tempodrom am Anhalter Bahnhof formulierte er das Ziel: "Um die große Wohnungsnachfrage zu decken, müssen in den nächsten zehn Jahren über 100.000 neue Wohnungen entstehen."
Der Hintergrund: 175.000 neue Einwohner
Die Zahlen machten den Druck deutlich. Allein in den vier Jahren zuvor war Berlins Bevölkerung um 175.000 Menschen gewachsen. Die Leerstandsquote lag auf einem historisch niedrigen Niveau, Mieten und Kaufpreise für Wohnungen in Berlin stiegen kontinuierlich. Ohne eine deutliche Ausweitung des Angebots würde bezahlbarer Wohnraum für viele Bevölkerungsschichten noch knapper werden. Die im selben Jahr geplante Mietpreisbremse war ein weiteres Zeichen für den wachsenden Druck.
Kritik an der Blockadehaltung
Geisel kritisierte den Widerstand gegen Neubau aus der Bevölkerung: "Baut überall, nur nicht in unserer Nachbarschaft", diese Haltung führe zu Stillstand und passe nicht zu einer wachsenden Stadt. In vielen Bezirken kam es regelmäßig zu Protesten gegen Bauvorhaben, die Anwohner als zu dicht, zu hoch oder unpassend empfanden. Das verzögerte Projekte und verschärfte die Angebotsknappheit.
Wo Berlin bauen konnte
Die Flächen für Geisels Neubau-Ziel lagen vor allem in der Nachverdichtung bestehender Quartiere, der Umnutzung ehemaliger Gewerbe- und Industrieareale und der Entwicklung neuer Stadtquartiere am Stadtrand. In zentralen Lagen wie Mitte sollte Nachverdichtung neuen Wohnraum schaffen, ohne weitere Flächen zu versiegeln. In äußeren Bezirken wie Marzahn-Hellersdorf gab es größere zusammenhängende Flächen für neue Quartiere.
Einordnung für den Immobilienmarkt
Geisels Vorstoß war ein politisches Signal an Investoren und Projektentwickler: Berlin wollte den Neubau unterstützen. Die Marktentwicklung zeigte hohe Nachfrage bei knappem Angebot. Für Eigentümer und Investoren bedeutete das Chancen durch die Nachfrage, aber auch Risiken durch langwierige Genehmigungsverfahren und lokalen Widerstand. Die von Geisel angeschobenen Diskussionsrunden waren ein erster Versuch, einen gesamtstädtischen Konsens für den Wohnungsbau zu schaffen.