Marktanalysen
Historische Marktanalyse
Neubau in Berlin 2016: Warum der Senat den Wohnungsbedarf laut IVD massiv unterschätzte
Mitte 2016 warnte der Immobilienverband IVD: Die Neubauziele des Berliner Senats von 15.000-20.000 Wohnungen pro Jahr reichen bei Weitem nicht aus. Eine Analyse.
Peter Guthmann
Mitte 2016 kritisierte der Immobilienverband Deutschland (IVD) Berlin-Brandenburg die Neubauziele des Berliner Senats. Die geplanten 15.000 bis 20.000 neuen Wohneinheiten pro Jahr lagen laut IVD-Quartalsbericht weit unter dem tatsächlichen Bedarf.
IVD: Bedarf bis zu dreimal so hoch
Marco Wölfle vom Center for Real Estate Studies, Autor des IVD-Quartalsberichts, argumentierte, dass die Senatsverwaltung "am unteren Ende der Bandbreite der Prognoserechnungen" plane. Durch den starken Zuzug und die Flüchtlingssituation 2015/2016 schätzte er den realen Bedarf auf bis zu 60.000 Wohnungen pro Jahr.
Warum die Lücke so groß war
Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigten das Ausmaß: In den fünf Jahren zuvor war der Wohnungsbestand in Berlin nur um 23.000 Einheiten gewachsen, weniger als 5.000 pro Jahr. Gleichzeitig wuchs die Bevölkerung jährlich um 40.000 bis 50.000 Menschen. Diese Angebotslücke war der Nährboden für die steigenden Kauf- und Mietpreise der Folgejahre.
Neubau verlagert sich in Außenbezirke
In zentralen Lagen wie Mitte oder Friedrichshain-Kreuzberg standen kaum noch freie Flächen für großvolumigen Neubau zur Verfügung. Projekte in Pankow, Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf gewannen an Bedeutung. Die Zahl der Baugenehmigungen stieg zwar, doch Bürokratie, Fachkräftemangel und steigende Baukosten verzögerten die Fertigstellung.
Was das für Eigentümer und Investoren bedeutete
Die IVD-Analyse bestätigte, was die Marktentwicklung der Folgejahre zeigte: Die Angebotsknappheit trieb die Preise für Berliner Wohnungen weiter nach oben. Für Eigentümer von Bestandsimmobilien bedeutete das eine stabile Wertentwicklung. Für Investoren war es ein Hinweis, dass der Berliner Wohnungsmarkt über Jahre hinweg von einem Nachfrageüberhang geprägt bleiben würde.