Marktanalysen
Berliner Wohnungsmarkt 2013
Jeder vierte Berliner will umziehen und denkt über Eigentum nach
Laut einer TNS-Infratest-Umfrage plant jeder vierte Berliner einen Umzug. Die steigenden Mieten lassen Wohneigentum für viele zur echten Alternative werden.
Peter Guthmann
Der Berliner Immobilienboom wird nicht nur von externen Investoren getrieben. Eine Umfrage von TNS Infratest im Auftrag der Wüstenrot & Württembergische Versicherung zeigt: Jeder vierte Berliner plant eine räumliche Veränderung. Die Gründe liegen vor allem in der finanziellen Belastung durch steigende Mieten.
38 Prozent des Einkommens für Miete
Mehr als ein Drittel der Berliner Haushalte gab an, keine weitere Mieterhöhung verkraften zu können. Im Durchschnitt flossen 38 Prozent des Haushaltseinkommens in Miete und Nebenkosten, rund vier Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt. In begehrten Lagen wie Mitte lag die Belastung noch höher.
Dieser Druck führte dazu, dass viele Berliner nicht einfach nur die Wohnung wechseln wollten, sondern über grundlegend andere Wohnformen nachdachten.
Eigentum statt Miete
Wer jeden Monat steigende Mieten zahlt, rechnet irgendwann nach. Und für viele Berliner wurde der Kauf einer Eigentumswohnung zur realistischen Option. Das Kalkül: Lieber die monatliche Rate in den eigenen Vermögensaufbau stecken als in fremdes Eigentum. Eigentum bietet Planungssicherheit, die ein Mietverhältnis nicht geben kann, gerade wenn die Mieten schneller steigen als die Einkommen.
Dieser Trend war 2013 nicht auf Kapitalanleger beschränkt. Auch Eigennutzer rückten verstärkt in den Markt.
Der Umweg über die vermietete Wohnung
Ein interessanter Ansatz, den viele Berliner verfolgten: Sie kauften eine Wohnung zum aktuellen Preis, vermieteten sie zunächst und planten die Eigennutzung für später. Die Mieteinnahmen flossen in die Finanzierung, und der Käufer sicherte sich gegen weitere Preissteigerungen ab. Wer so vorging, nutzte die Kapitalanlage als strategischen Zwischenschritt zum Eigenheim.
Was das für den Markt bedeutete
Die hohe Binnennachfrage war ein stabilisierender Faktor für den Berliner Immobilienmarkt. Der Wunsch nach Eigentum kam nicht nur von internationalen Investoren, sondern aus der Berliner Bevölkerung selbst. Das erzeugte eine breite, lokale Nachfrage, die auch in aufstrebenden Lagen wie Neukölln spürbar war. Für Eigentümer bedeutete das: stabile Werte. Für Investoren: eine Nachfrage, die nicht allein von Konjunkturzyklen abhing.