Stadtentwicklung
Wohnungspolitik Berlin 2016
Bausenator Geisel fordert Bewusstseinswandel: 20.000 neue Wohnungen pro Jahr für Berlin
Berlin braucht laut Bausenator Geisel jährlich 20.000 neue Wohnungen. 14.000 sollen private Bauherren liefern. Sein Appell: Dichter bauen, kleiner bauen, weniger Widerstand vor Ort.
Peter Guthmann
Berlins Bausenator Andreas Geisel (SPD) hat einen "Bewusstseinswandel" gefordert. Sein Kern-Argument: Berlin wächst bis 2030 um rund 400.000 Menschen, und der Wohnungsbau hält nicht Schritt. 20.000 neue Wohnungen pro Jahr seien nötig, 6.000 davon durch landeseigene Gesellschaften, 14.000 durch private Bauherren.
Mehr Akzeptanz, weniger Blockade
"Baut überall, nur nicht in unserer Nachbarschaft. Diese Haltung bedeutet Stillstand", so Geisel. Theoretisch sei jedem klar, dass gebaut werden müsse. In der Praxis scheiterten Projekte aber am lokalen Widerstand. Der Senator sieht den Wohnungsbau als Frage der sozialen Gerechtigkeit: Es müsse in allen Kiezen gebaut werden.
Geisel appelliert an die Berliner, toleranter auf den Wandel in der Stadt zu reagieren. Das Bevölkerungswachstum finde "auch ohne uns" statt.
Dichter, höher, kleiner
Angesichts begrenzter Bauflächen plädiert Geisel für kleinere Wohnungsgrößen, konsequente Nachverdichtung und höhere Bauformen. Selbst Plattenbauten seien kein Tabu: "Sie haben eine hohe Wohnqualität und sind beliebt bei den Menschen, die darin wohnen." Das Problem liege eher im monotonen Städtebau. Die Herausforderung sei, hohe architektonische Qualität auch bei verdichteter Bauweise zu erreichen.
Das könnte die Tür für Aufstockungen und Nachverdichtung öffnen, auch in dicht besiedelten Bezirken wie Mitte.
Was folgt für den Markt?
Geisels Forderungen signalisieren politischen Willen, private Bauprojekte zu unterstützen. Für Investoren und Eigentümer von Wohnungen in Berlin heißt das: Projekte, die auf Aufstockung, Lückenschließung und Umnutzung setzen, passen zur politischen Agenda. Kleinere Wohneinheiten könnten an Akzeptanz gewinnen.
Die Herausforderung bleibt allerdings, für jedes einzelne Bauvorhaben lokale Zustimmung zu finden. Die Marktentwicklung mit steigender Nachfrage bei knappem Angebot macht den geforderten Kurswechsel aber schwer vermeidbar.