Stadtentwicklung
Wohnungsbau in Berlin
Tempelhofer Feld: Senat will 1.700 Wohnungen ab 2016 bauen
Am Rand des Tempelhofer Feldes sollen ab 2016 rund 1.700 landeseigene Wohnungen entstehen. Die Mieten: sechs bis acht Euro pro Quadratmeter. Ob gebaut wird, entscheidet ein Volksentscheid.
Peter Guthmann
Stadtentwicklungssenator Michael Müller stellte 2013 Pläne vor, am westlichen Rand des Tempelhofer Feldes rund 1.700 Wohnungen zu errichten. Die Umsetzung sollte über landeseigene Wohnungsbaugesellschaften laufen, Baubeginn war für 2016 vorgesehen.
Standorte und Mietpreise
Die Bebauung war auf die Ränder der Freifläche beschränkt. Der Park im Zentrum des ehemaligen Flugfeldes sollte erhalten bleiben. Geplante Bauabschnitte: zunächst am S-Bahnhof Tempelhof, später auf der Neuköllner Seite und am Tempelhofer Damm.
Die Nettokaltmieten sollten laut Senator Müller zwischen sechs und acht Euro pro Quadratmeter liegen. Zielgruppe waren mittlere und untere Einkommensschichten, die auf dem freien Markt zunehmend Schwierigkeiten hatten, bezahlbaren Wohnraum zu finden.
Signalwirkung für Investoren
1.700 preisgebundene Wohnungen auf einen Schlag hätten den lokalen Mietmarkt spürbar beeinflusst. Eigentümer in Tempelhof und Neukölln mussten die Entwicklung beobachten, denn ein zusätzliches Angebot im unteren und mittleren Preissegment kann die Dynamik in angrenzenden Lagen verändern. Gleichzeitig zeigte das Projekt den politischen Willen, aktiv in den Wohnungsmarkt einzugreifen.
Finanzierung als Gratwanderung
Senator Müller selbst nannte die Finanzierung eine "Gratwanderung". Neben den reinen Baukosten stand die Sanierung des denkmalgeschützten Flughafengebäudes mit mindestens 150 Millionen Euro im Raum.
Die größere Hürde war allerdings politischer Natur. Teile der Bevölkerung wehrten sich gegen jede Bebauung der beliebten Freizeitfläche. Ein Volksentscheid sollte darüber entscheiden, ob am Rand gebaut werden darf. Die öffentliche Beteiligung zur Erarbeitung der Bebauungspläne war für 2013 und 2014 angesetzt.
Rückblickend zeigt das Projekt, wie schwierig es in Berlin ist, größere Wohnungsbauprojekte gegen Widerstand durchzusetzen. Die laufende Marktentwicklung in der Hauptstadt hängt nicht zuletzt davon ab, ob und wo neuer Wohnraum tatsächlich entsteht.