Marktanalysen
Wohnungsmarkt Berlin 2015
Wohnungsneubau Berlin: IW-Studie beziffert Defizit auf über 8.000 Wohnungen pro Jahr
Das Institut der deutschen Wirtschaft errechnet einen Bedarf von 16.785 Wohnungen pro Jahr in Berlin bis 2030. Fertiggestellt wurden zuletzt nur 8.744. Das Umland baut dagegen teilweise über Bedarf.
Peter Guthmann
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hat den Wohnungsbedarf für Berlin berechnet. Das Ergebnis: Bis 2030 müssten jährlich 16.785 Wohnungen fertiggestellt werden, um den Zuzug und die steigende Nachfrage aufzufangen. Tatsächlich wurden im vergangenen Jahr 8.744 Einheiten gebaut, knapp die Hälfte des Bedarfs.
Diese Lücke von über 8.000 Wohnungen pro Jahr verschärft die Lage auf dem Berliner Wohnungsmarkt. Wer in Berlin eine Wohnung sucht, spürt das Defizit längst.
Warum der Neubau nicht hinterherkommt
Nach Jahren der Stagnation und des Leerstands in den frühen 2000er-Jahren erlebt Berlin einen anhaltenden Zuzug. Die Stadt ist international gefragt, und die Nachfrage nach Wohnungen steigt vor allem in zentralen Lagen wie Mitte oder aufstrebenden Bezirken wie Neukoelln. Gleichzeitig kommen die Ausweisung neuer Bauflächen und Genehmigungsverfahren nicht schnell genug voran. Steigende Baukosten verzögern Projekte zusätzlich.
Umland baut teils über Bedarf
Im Brandenburger Umland sieht das Bild anders aus. In Potsdam liegt das Defizit bei nur 3 Prozent. In einzelnen Landkreisen wird sogar mehr gebaut, als die IW-Forscher für nötig halten:
- Landkreis Oder-Spree: 560 Fertigstellungen, Bedarf bis 2030 bei 142 pro Jahr
- Landkreis Havelland: 1.068 Fertigstellungen, Bedarf bis 2030 bei 429 pro Jahr
Das deutet darauf hin, dass ein Teil der Nachfrage, die in Berlin nicht bedient wird, ins Umland ausweicht.
Was die Lücke für Eigentümer und Investoren bedeutet
Anhaltende Angebotsknappheit bei gleichzeitig ungebrochenem Zuzug erhöht den Druck auf Miet- und Kaufpreise. Für Eigentümer von Bestandsimmobilien bedeutet das tendenziell steigende Werte. Investoren, die in den Bau neuer Wohnungen investieren, finden laut IW-Studie gesicherte Nachfrage für die kommenden Jahre. Die Frage ist weniger, ob der Bedarf da ist, sondern wo genügend Bauflächen verfügbar werden.