Marktanalysen
Wanderungsanalyse 2017
Zuzug aus Baden-Württemberg nach Berlin: Neukölln und Wedding lösen den Prenzlauer Berg ab
7.639 Menschen zogen 2017 von Baden-Württemberg nach Berlin. Die meisten meldeten sich in Neukölln und Wedding an. Der Prenzlauer Berg verliert bei Süddeutschen an Anziehungskraft.
Peter Guthmann
Fast 300.000 Baden-Württemberger sollen in Berlin leben, von den Einheimischen meist pauschal als "Schwaben" zusammengefasst. Ob das den Badenern gefallen mag, sei dahingestellt. Fest steht: Der Zuzug aus dem Südwesten bleibt ein Treiber für den Berliner Wohnungsmarkt.
Die Zahlen für 2017
Genau 7.639 Personen haben im Jahr 2017 ihren Hauptwohnsitz von Baden-Württemberg nach Berlin verlegt. Bezogen auf die Bevölkerung des Bundeslandes macht das etwa 0,07 Prozent aus. 4.980 Menschen zogen in die Gegenrichtung, das Wanderungssaldo liegt also bei plus 2.659 Personen. Damit ist Baden-Württemberg nach Nordrhein-Westfalen und Bayern die drittgrößte Zuwanderergruppe unter den Bundesländern. Diese anhaltend hohe Nachfrage wirkt sich direkt auf die Marktentwicklung im Berliner Wohnungsmarkt aus.
Prenzlauer Berg? War einmal.
Lange war der Prenzlauer Berg der Sehnsuchtsort für Neu-Berliner aus dem Südwesten. Kollwitz-Kiez, Helmholtzplatz, Bötzow-Viertel. Das ändert sich spürbar. Mit 521 Zuzügen rangiert der Bezirk zwar noch auf Platz drei, aber die steigenden Preise und die zunehmende Etablierung schrecken offenbar ab. Zuziehende wenden sich stärker Lagen mit Entwicklungspotenzial und niedrigeren Mieten zu.
Die Top 5: Neukölln und Wedding vorn
Die Rangliste der Zuzüge aus Baden-Württemberg zeigt klar, welche Bezirke aktuell gefragt sind:
- Neukölln: 719 Zuzüge
- Wedding: 582 Zuzüge
- Prenzlauer Berg: 521 Zuzüge
- Friedrichshain: 507 Zuzüge
- Lichtenberg: 479 Zuzüge
Diese Ortsteile hatten bis vor wenigen Jahren noch ein Underdog-Image. Sie bieten zentrale Lagen, ein lebendiges Umfeld und im Vergleich zu etablierten Gegenden noch moderate Preise für Wohnungen in Berlin. Die Nachfrage durch kaufkräftige Zuzügler aus dem Süden treibt dort die Entwicklung.
Kiez-Ebene: Friedrichshain dominiert
Eine Bezirksbetrachtung allein kann täuschen. Auf Quartiersebene zeigt sich, dass die meisten Einzelzuzüge 2017 in drei Friedrichshainer Kieze gingen: Traveplatz (110 Anmeldungen), Samariterviertel (98) und Boxhagener Platz (95). Obwohl Gesamt-Neukölln bezirksweit führt, verdichtet sich die Nachfrage auf Kiez-Ebene in Friedrichshain.
Am wenigsten Zuspruch fanden Weißensee, Hellersdorf, Tiergarten und Tegel. Das liegt vor allem daran, dass überwiegend junge Leute nach Berlin kommen, meist Studierende, die nah am Zentrum, der Universität und dem Nachtleben sein wollen.
[Chart/Grafik] An dieser Stelle befand sich eine interaktive Grafik zur Visualisierung der Zuzüge.
[Chart/Grafik] An dieser Stelle befand sich eine interaktive Grafik zur Quartiersanalyse.