Recht & Politik
Ferienwohnungen Berlin 2016
Zweckentfremdungsverbot in Berlin: Airbnb kündigt Vermietern, Ferienwohnungszahl sinkt drastisch
Vor dem Stichtag 1. Mai 2016 kündigt Airbnb zahlreichen Berliner Gastgebern. Die Zahl komplett vermieteter Wohnungen sank von 11.000 auf 6.700. Bußgelder steigen auf bis zu 100.000 Euro.
Peter Guthmann
Kurz vor dem 1. Mai 2016 kündigt Airbnb zahlreichen Berliner Gastgebern die Zusammenarbeit. In E-Mails, die der "Zeit" vorliegen, spricht das Unternehmen von "automatisierten Systemen". Hintergrund ist das verschärfte Zweckentfremdungsverbot in Berlin.
Die Zahlen: Angebot schrumpft deutlich
Laut dem Portal "airbnbvsberlin" sank die Zahl komplett vermieteter Wohnungen in Berlin von rund 11.000 im Februar 2016 auf etwa 6.700 im März. Besonders betroffen sind Anbieter mit mehr als einer Wohnung: Ihre Zahl hat sich von über 2.000 auf unter 1.000 halbiert. Der Anteil potenziell kommerzieller Wohnungen am Gesamtangebot fiel von 21 auf 15 Prozent. Im Mai 2014 hatte er noch bei 30 Prozent gelegen.
Was sich ab dem 1. Mai ändert
Mit dem 1. Mai endet eine zweijährige Übergangsfrist. Wer keine Genehmigung des Bezirksamts hat, darf seine Wohnung nicht mehr tage- oder wochenweise (unter drei Monaten) als Ferienwohnung vermieten. Eine Gesetzesänderung vom 17. März 2016 stellt klar, dass auch Zweitwohnungen unter das Verbot fallen.
Die Bußgelder wurden von 50.000 auf bis zu 100.000 Euro angehoben. Die Senatsverwaltung hat ein Online-Formular eingerichtet, über das Bürger Verstöße melden können. Die Kontrollverantwortung liegt bei den Bezirksämtern, besonders in touristischen Lagen wie Mitte.
Politischer Hintergrund
Im April traf sich Airbnb-Vertreter Christopher Lehane mit Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup. Nach dem Treffen war klar: Berlin lockert das Verbot nicht. Daldrup forderte Airbnb auf, die Anbieter auf die Genehmigungspflicht und die Bußgelder hinzuweisen. Die Senatsverwaltung will die Herausgabe von Anbieterdaten durchsetzen, um illegale Angebote effektiver verfolgen zu können. Ob sich das gegen ausländische Plattformen durchsetzen lässt, ist offen.
Folgen für Eigentümer
Das Geschäftsmodell der Kurzzeitvermietung wird in Berlin riskant. Die Rückführung tausender Ferienwohnungen in den regulären Mietmarkt könnte kurzfristig das Angebot an Mietwohnungen erhöhen. Welche Auswirkungen das auf die Marktentwicklung und die Mietpreise hat, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.