Marktanalysen
Demografie und Immobilienmarkt
170.000 Neuberliner in einem Jahr: Wo sie hinzogen und was das für den Markt bedeutete
Fast 170.000 Menschen zogen 2014 nach Berlin. Die meisten ließen sich innerhalb des S-Bahn-Rings nieder. Für den ohnehin angespannten Wohnungsmarkt hatte das direkte Folgen.
Peter Guthmann
Fast 170.000 Menschen zogen im Jahr 2014 neu nach Berlin. Eine Auswertung des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg zeigte: Auch in den Folgejahren würde sich der Zuzug fortsetzen. Für den Wohnungsmarkt hieß das: Die Nachfrage überstieg das Angebot weiterhin.
Der Ring als Grenze
Die Statistik machte deutlich: Die meisten Neuberliner zogen in die zentralen Lagen innerhalb des S-Bahn-Rings. Infrastruktur, Kultur und Arbeitsplätze waren dort dichter. In Kiezen wie "Nördlicher Landwehrkanal" in Kreuzberg oder "Unter den Linden Süd" in Mitte stellten Zugezogene mit über 80 Prozent bereits die Bevölkerungsmehrheit.
Innerhalb des Rings waren gebürtige Berliner nur noch in "Neu-Tempelhof" und im "Thälmannpark" in Prenzlauer Berg knapp in der Mehrheit. Außerhalb des Rings kehrte sich das Bild um: Dort dominierten die Alteingesessenen.
Historische Muster in der Demografie
Der Anteil türkischstämmiger Berliner zeichnete 2014 noch immer den alten Verlauf der Mauer nach. Seit den 1960er-Jahren hatten sie sich vorwiegend in West-Berliner Bezirken angesiedelt, oft entlang der Grenze zum Ostteil. Im Westteil lag ihr Anteil bei 7,8 Prozent, im Osten bei nur 0,6 Prozent. Diese gewachsenen Strukturen prägten die soziale Zusammensetzung einzelner Stadtteile.
Druck auf die Außenbezirke
Der Zuzug in die Innenstadt strahlte auf die Randlagen aus. Gebiete außerhalb des S-Bahn-Rings, die bisher als B-Lagen galten, rückten zunehmend in den Fokus von Mietern und Käufern. Bezirke wie Lichtenberg oder Teile von Treptow-Köpenick profitierten von der Verdrängung aus dem Zentrum.
Was das für Investoren hieß
Das Bevölkerungswachstum war der zentrale Treiber für die Marktentwicklung. Für Eigentümer bedeutete die hohe Nachfrage stabile Werte und gute Vermietbarkeit ihrer Wohnungen in Berlin. Langfristig konnten Außenbezirke an Attraktivität gewinnen, da der Preisdruck aus der Innenstadt auf die umliegenden Gebiete ausstrahlte. Wanderungsbewegungen genau zu beobachten war daher ein sinnvolles Instrument, um künftige Potenziallagen zu erkennen.