Marktanalysen
Wohneigentum in Berlin
Eigentumsquote Berlin 2014: Warum die Hauptstadt eine Mieterstadt blieb
Nur 15,4 % der Berliner lebten 2014 in den eigenen vier Wänden. Das war der letzte Platz im Bundesvergleich. Die Gründe lagen in der Geschichte der Stadt, den Einkommen und der Grunderwerbsteuer.
Peter Guthmann
Berlin war und blieb eine Mieterstadt. Obwohl der Immobilienmarkt boomte und die Bautätigkeit zunahm, stieg die Zahl der Eigentümer nur langsam. Laut Statistischem Amt lebten 2011 lediglich 15,4 Prozent der Berliner in den eigenen vier Wänden. Im Bundesdurchschnitt lag die Quote bei rund 43 Prozent. Berlin war damit Schlusslicht.
Die Zahlen im Vergleich
Das Saarland führte mit über 60 Prozent, gefolgt von Rheinland-Pfalz. Berlin hatte seit 1993 nur einen Anstieg von 10 auf 15,4 Prozent verzeichnet. Selbst Hamburg wies höhere Quoten auf. Die damalige Bautätigkeit dürfte die Quote leicht angehoben haben, eine grundlegende Verschiebung war aber nicht absehbar.
Warum so wenige Berliner Eigentum besaßen
Über Jahrzehnte war das Mietniveau in Berlin im Vergleich zu anderen Großstädten niedrig. Es gab kaum Anreize, Erspartes in Wohneigentum zu stecken. Mit dem Wegfall der Eigenheimzulage 2006 sank das Interesse weiter. Für viele Berliner war Mieten schlicht die einfachere Option. Die Marktentwicklung änderte daran nur langsam etwas.
Grunderwerbsteuer und Einkommensniveau
Zwei Faktoren erschwerten den Eigentumserwerb zusätzlich. Die Grunderwerbsteuer war schrittweise von 3,5 Prozent (bis 2012) auf 5 Prozent (2013) und schließlich auf 6 Prozent (2014) gestiegen.
Gleichzeitig lag das verfügbare Einkommen je Einwohner in Berlin 2012 bei 17.601 Euro. Das entsprach 85,8 Prozent des Bundesdurchschnitts. Die Einkommensentwicklung hinkte mit einem Plus von 1,7 Prozent hinter dem bundesweiten Anstieg von 2,2 Prozent her. Die Lücke vergrößerte sich also.
Was das für den Immobilienmarkt bedeutete
Für Investoren ergab sich daraus ein klares Bild: Die hohe Mieterquote sicherte eine stabile Nachfrage nach Mietobjekten. Der Markt für Wohnungen als Kapitalanlage war attraktiv. Gleichzeitig begrenzte das geringere Einkommensniveau die Zahl potenzieller Käufer beim Wiederverkauf.
Die niedrige Eigentumsquote war auch ein politisch sensibles Thema. Eine Mischung aus Miet- und Eigentumswohnungen galt als Grundlage für sozial stabile Kieze. Aus Investorensicht bot vor allem Neukölln als aufstrebender Bezirk interessante Möglichkeiten.