Marktanalysen
Demografische Entwicklung auf dem Berliner Wohnungsmarkt
Analyse 2015: Der Vormarsch der Single-Haushalte und seine Folgen für den Berliner Immobilienmarkt
2015 bestanden 53,9 % der Berliner Haushalte aus nur einer Person, 3,7 Prozentpunkte mehr als 2004. Was das für den Wohnungsmarkt bedeutet.
Peter Guthmann
Laut Mikrozensus 2014, ausgewertet vom Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, bestanden 53,9 Prozent aller Berliner Haushalte aus nur einer Person. Das waren 3,7 Prozentpunkte mehr als 2004. Berlin war damit Deutschlands Hauptstadt der Singles, und der Trend hatte direkte Folgen für den Wohnungsmarkt.
Weniger Großhaushalte, mehr Alleinlebende
Während die Zahl der Single-Haushalte stieg, ging der Anteil von Haushalten mit drei oder mehr Personen zurück: von 18,9 Prozent im Jahr 2004 auf 17,7 Prozent im Jahr 2014. Seit 2011 hatte sich dieser Wert stabilisiert, der langfristige Trend war aber eindeutig.
Im Vergleich zum Umland war Berlins Sonderrolle deutlich: In Brandenburg lag der Anteil der Einpersonenhaushalte bei 37,4 Prozent, also mehr als 16 Prozentpunkte weniger als in der Hauptstadt.
Wo die Singles wohnen
Die Nachfrage durch Einpersonenhaushalte verteilte sich nicht gleichmäßig. In zentralen Bezirken wie Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg war der Anteil traditionell höher. Auch Neukölln zog zunehmend junge Berufstätige und Studierende an. Infrastruktur, kulturelles Angebot und kurze Wege zu Arbeitsplätzen und Universitäten machten diese Bezirke für Alleinlebende attraktiv. In den Randbezirken mit mehr Ein- und Zweifamilienhäusern war der Trend weniger ausgeprägt.
Was das für den Immobilienmarkt bedeutet
Der steigende Anteil an Einpersonenhaushalten verschob die Nachfrage von großen Familienwohnungen hin zu kleineren, effizient geschnittenen Einheiten. 1- bis 2-Zimmer-Wohnungen und Mikroapartments verzeichneten steigende Nachfrage. Für Investoren ergab sich daraus ein klares Signal: Kleine Einheiten in zentralen Lagen versprachen hohe Vermietbarkeit.
Bei Sanierungen und Neubauprojekten lohnte es sich, Grundrisse an die Bedürfnisse von Einzelpersonen anzupassen. Die Marktentwicklung der Folgejahre hat diesen Trend bestätigt: Die Nachfrage im Segment der Kleinwohnungen ist seitdem weiter gewachsen.