Recht & Politik
Energiepolitik und Immobilien
Klimaschutzplan 2050: Schärfere Regeln für Berliner Immobilien in Vorbereitung
Noch 2016 soll der Klimaschutzplan 2050 verabschiedet werden. Geplant: höhere Sanierungsraten, Abschaffung fossiler Heizungen, Plusenergiehäuser als Neubaustandard ab 2030. Was das für Berlíner Eigentümer heißt.
Peter Guthmann
Nach der Pariser Klimakonferenz Ende 2015 arbeitet die Bundesregierung am nationalen Klimaschutzplan 2050. Ziel: 80 bis 95 Prozent weniger Treibhausgase gegenüber 1990. Laut Umweltbundesamt sind bisher 27 Prozent eingespart worden, allerdings größtenteils durch die Stilllegung von DDR-Industrie und Produktionsverlagerungen ins Ausland. Der Gebäudesektor steht deshalb im Fokus.
EnEV: Schon jetzt teurer, bald noch strenger
Die Energieeinsparverordnung (EnEV) regelt seit 2002 die energetischen Standards für Gebäude. Schon die aktuelle Fassung hat die Baukosten um mindestens 7 Prozent erhöht. Immobilienverbände kritisieren, dass die Kosten in keinem Verhältnis zur tatsächlichen CO2-Einsparung stehen: Die EnEV trage lediglich 0,02 Prozent zur Gesamtreduktion bei. Trotzdem plant das Bundeswirtschaftsministerium weitere Verschärfungen.
Was der Klimaschutzplan vorsieht
Die erarbeiteten Vorschläge betreffen die Immobilienwirtschaft direkt:
Die jährliche Sanierungsrate im Wohnungsbestand, derzeit bei etwa 0,8 Prozent, soll deutlich steigen. Ab 2030 sollen Neubauten als Plusenergiehäuser konzipiert sein, die mehr Energie erzeugen als verbrauchen. Fossile Heizungen sollen schrittweise abgeschafft und der Austausch gefördert werden. Klimaschutzklassen, vergleichbar mit Energielabeln bei Haushaltsgeräten, sollen Anreize für Sanierungen schaffen, die über den Mindeststandard hinausgehen.
Folgen für den Berliner Markt
Berlin hat einen hohen Altbaubestand, besonders in Bezirken wie Neukölln oder Charlottenburg. Andreas Mattner vom Zentralen Immobilienausschuss (ZIA) warnt vor einem "Sanierungszwang durch die Hintertür": Wenn Eigentümer die Kosten auf die Mieten umlegen müssten, laufe das dem Ziel bezahlbaren Wohnens zuwider. Betroffen wären zehntausende Wohnungen in Berlin.
Viele der geplanten Restriktionen sollen durch Förderprogramme flankiert werden. Der Plan befindet sich noch im Abstimmungsprozess. Eigentümer sollten die Debatte verfolgen. In zentralen Lagen wie Mitte wird Energieeffizienz zunehmend zu einem Faktor bei Vermietung und Marktbewertung.