Recht & Politik

Berliner Immobilienmarkt im März 2020

Corona-Krise in Berlin: Was Vermieter jetzt über Mietausfälle und Kündigungsschutz wissen müssen

Die Bundesregierung schützt Mieter vor Kündigungen bei Zahlungsausfällen durch Corona. Für Vermieter in Berlin wächst die Sorge vor Liquiditätsengpässen. Wer ist betroffen?

Peter Guthmann

Peter Guthmann

Die Ausbreitung des SARS-CoV-2 Virus und die staatlichen Gegenmassnahmen versetzen den Berliner Wohnungssektor im Fruehjahr 2020 in einen Ausnahmezustand. Kurz nach Inkrafttreten des Mietendeckels stellt die Corona-Krise Eigentümer und Investoren vor neue Herausforderungen. Bundesregierung und Berliner Senat reagieren mit Schutzprogrammen, die allerdings Fragen zur Lastenverteilung aufwerfen.

Kündigungsschutz für Mieter

Die Bundesregierung hat ein Gesetz zur Abmilderung der Folgen der Covid-19-Pandemie beschlossen. Ein zentraler Punkt für Immobilieneigentuemer: Das Kuendigungsrecht wegen Zahlungsverzug wird eingeschraenkt. Konkret gilt dies für Mietschulden, die zwischen dem 1. April 2020 und dem 30. September 2020 entstehen und nachweislich auf die Corona-Krise zurueckzufuehren sind. Die Zahlungspflicht bleibt bestehen: Die Schulden werden gestundet, nicht erlassen.

Welche Mieter sind besonders betroffen?

Die wirtschaftlichen Folgen treffen Berliner Mieter sehr unterschiedlich. Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst sind kaum von Einkommenseinbussen betroffen. Für andere Gruppen sieht es anders aus:

  • Selbstständige, Freiberufler und Kleinunternehmer: Diese Gruppe von rund 300.000 Erwerbstaetigen in Berlin ist am staerksten gefaehrdet. Aufträge brechen weg, Einnahmen fallen oft vollstaendig aus, während private und teils gewerbliche Mietkosten weiterlaufen.
  • Angestellte in Kurzarbeit: Bei ihnen reduziert sich das Nettoeinkommen um bis zu 40 Prozent. Je nach Miethoehe kann das schnell zu Liquiditaetsengpaessen führen.

Auswirkungen auf den Berliner Wohnungsmarkt

Die Krise trifft eine Stadt, deren Wirtschaft stark von Tourismus, Kultur und der Startup-Szene gepraegt ist. Gerade in Bezirken mit einem hohen Anteil an Kreativen und Selbststaendigen wie Neukölln oder Kreuzberg dürfte die Zahl der Zahlungsschwierigkeiten steigen. Auch in Mitte, wo viele Beschaeftigte von der lahmgelegten Gastronomie und dem Einzelhandel abhaengen, wächst die Unsicherheit. Für Eigentümer von Wohnungen in Berlin variiert das Ausfallrisiko damit stark nach Lage und Mieterstruktur.

Drei Hebel für Vermieter: Kommunikation, Liquidität, Hilfsangebote

Trotz der einseitig wirkenden Schutzmassnahmen für Mieter sind Vermieter nicht handlungsunfaehig.

  1. Kommunikation suchen: Treten Sie mit Mietern in Kontakt, die Zahlungsschwierigkeiten signalisieren. Offene Gespraeche können helfen, gemeinsame Loesungen wie Stundungsvereinbarungen zu finden.
  2. Liquiditaet prüfen: Analysieren Sie Ihre eigene finanzielle Situation. Können Sie voruebergehende Mietausfaelle ueberbruecken, um Kredite weiterhin zu bedienen?
  3. Hilfsangebote kennen: Weisen Sie Ihre Mieter auf staatliche Hilfen wie Wohngeld, Grundsicherung oder die Soforthilfeprogramme des Senats hin. Diese können einen Mietausfall oft verhindern.

Wie sich der Berliner Wohnungsmarkt langfristig entwickelt, hängt von der Dauer der Pandemie und der Wirksamkeit von Kurzarbeitergeld und Soforthilfen ab, da besonders die rund 300.000 Selbstständigen in Berlin auf funktionierende Schutzprogramme angewiesen sind.

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