Marktanalysen
Analyse des Berliner Wohnungsmarktes
Immobilienpreise in Berlin 2017: Steht der Markt vor einer Trendwende?
Die Preise für Wohnungen in Berlin kennen seit Jahren nur eine Richtung: aufwärts. Doch erste Studien warnen vor einer Überhitzung und einer möglichen Blase. Welche Szenarien sind für Investoren und Eigentümer aktuell realistisch?
Peter Guthmann
Der Berliner Immobilienmarkt befindet sich seit über fünf Jahren im Aufwärtstrend. Die Kaufpreise für Eigentumswohnungen und Häuser sind in fast allen Lagen gestiegen. Viele Akteure rechnen weiter mit steigenden Preisen, erste Skeptiker warnen vor Überhitzung. Die Frage für Eigentümer und Investoren: Geht die Preisrallye weiter oder steht eine Korrektur bevor?
Argumente für stabile bis steigende Preise
Mehrere Fundamentalfaktoren stützen die aktuelle Preisdynamik. Die Marktentwicklung in der Hauptstadt basiert auf einer robusten Nachfrage:
Die Leerstandsquote in Berlin tendiert gegen Null. Der Bedarf an Wohnraum übersteigt das Angebot bei Weitem. Demografische Prognosen gehen von weiterem starken Zuzug aus. Aktuell fehlen in Berlin Schätzungen zufolge rund 40.000 Wohnungen, allein um den gegenwärtigen Bedarf zu decken. Das niedrige Zinsniveau bietet kaum renditestarke Alternativen zur Immobilienanlage. Und sollte die Binnennachfrage nachlassen, fängt die wachsende Nachfrage aus dem Ausland dies teilweise ab.
Die Thesen der Skeptiker
Trotz dieser Fundamentaldaten mehren sich kritische Stimmen. Aufmerksamkeit erregt eine Studie des Instituts empirica, die eine Abkühlung prognostiziert. Die Hauptargumente: Die Kaufpreise in den Top-7-Städten sind deutlich stärker gestiegen als die Neuvertragsmieten, was die Rendite drückt. Bereinigt um Auslandszuwanderung sei der Wanderungsgewinn in Städten wie Berlin rückläufig. Und die steigende Zahl der Baugenehmigungen werde bald zu mehr Angebot führen, was die Mieten stagnieren lassen könnte.
Ein Preiseinbruch bleibt unwahrscheinlich
Die Skeptiker übersehen einen Punkt: In Berlin wird nach wie vor zu wenig gebaut, um das Bevölkerungswachstum der letzten Jahre aufzufangen. Allein in den letzten zehn Jahren ist die Stadt um mehr als 300.000 Einwohner gewachsen. Studien des IW und DIW belegen, dass in den sieben größten deutschen Städten in den vergangenen fünf Jahren rund 60.000 Wohnungen zu wenig gebaut wurden.
Marktberuhigung statt Crash
Ein drastischer Preiseinbruch ist für Berlin nicht in Sicht. Wahrscheinlicher ist eine Beruhigung auf hohem Preisniveau. Die Zeiten sprunghafter, flächendeckender Preissteigerungen neigen sich dem Ende zu. Stattdessen wird die Lagequalität noch entscheidender. Bereits jetzt differenzieren sich die Preise stärker: Top-Lagen wie Mitte oder dynamische Bezirke wie Neukölln dürften preisstabil bleiben, in einfacheren Lagen oder bei Objekten mit Sanierungsstau sind leichte Korrekturen möglich. Für Investoren und Eigentümer heißt das: Die Analyse der Mikrolage wird für den Erfolg einer Investition wichtiger denn je.