Marktanalysen
Städtische Infrastruktur und Immobilienmarkt
Berlins Grundschulen am Limit: Was der Schulplatzmangel 2016 für den Immobilienmarkt bedeutet
Der Bevölkerungsboom stellt Berlins Bezirke vor Herausforderungen. Tausende Kinder stehen für 2016/17 ohne regulären Grundschulplatz da, besonders in Pankow. Ein relevanter Faktor für die Standortbewertung.
Peter Guthmann
Über 34.000 Einschulungen in Berlin
Mit über 34.000 Einschulungen für das Schuljahr 2016/17 erreichen die Anmeldezahlen einen neuen Höchststand. Die Infrastruktur vieler Bezirke stösst an ihre Grenzen. Der anhaltende Zuzug und eine steigende Geburtenrate verschärfen die Situation. Der Mangel an Schulplätzen ist die direkte Folge der demografischen Entwicklung der letzten Jahre.
Pankow: 1.300 Plätze fehlen
Am deutlichsten zeigt sich das Problem im Bezirk Pankow: 5.196 Anmeldungen stehen 3.840 regulären Plätzen gegenüber. Das Amt für Statistik Berlin Brandenburg zählte bereits 2014 rund 8.500 Kinder im Alter von drei bis vier Jahren allein in diesem Bezirk. Diese Kinder erreichen jetzt das Einschulungsalter. Zahlreiche Neubauprojekte ziehen zusätzlich junge Familien an.
Rückstellungen verschieben das Problem
Eine gelockerte Regelung zur Rückstellung schulpflichtiger Kinder verschafft kurzfristig etwas Luft. Allein in Pankow haben Eltern rund 1.200 Kinder für ein weiteres Kita-Jahr angemeldet. Eine neue Stichtagsregelung vereinfacht das Verfahren. Das Grundproblem löst das nicht. Im Gegenteil: Es schiebt eine noch grössere Welle ins nächste Jahr. Laut Statistik leben aktuell 8.670 Kinder im Alter von vier bis fünf Jahren in Pankow. Die Mehrheit wird 2017 einen Schulplatz brauchen.
Schulversorgung als Standortfaktor
Für Eigentümer und Investoren ist der Infrastruktur-Engpass ein relevanter Faktor. Die Verfügbarkeit von Schulplätzen wird zunehmend zum Standortkriterium für Familien, die eine der wichtigsten Zielgruppen am Berliner Wohnungsmarkt sind. Bezirke mit funktionierender sozialer Infrastruktur können an Attraktivität gewinnen. Umgekehrt droht in Quartieren mit Defizit eine gedämpfte Nachfrage von Familien, selbst wenn moderner Wohnraum entsteht.
Notlösungen und Bauprogramme
Als Sofortmassnahme werden Klassen vergrössert. In Charlottenburg-Wilmersdorf und Lichtenberg werden die Obergrenzen von 26 Kindern pro Klasse überschritten oder mobile Ergänzungsbauten errichtet. Die Bildungsverwaltung plant Neubauprogramme in Milliardenhöhe, doch bis die neuen Schulen stehen, vergehen noch Jahre. Vorerst bleiben überfüllte Klassen und provisorische Lösungen die Realität.