Marktanalysen
Mieterverein zur Marktlage 2016
Berliner Mieterverein: Wohnungsmarkt spaltet sich in zwei Welten
Der Berliner Mieterverein sieht den Wohnungsmarkt zweigeteilt: Zuzügler mit hoher Kaufkraft können sich frei versorgen, einkommensschwache Haushalte vermeiden Umzüge, weil sie sich die neuen Mieten nicht leisten können.
Peter Guthmann
Der Berliner Mieterverein sieht den Wohnungsmarkt der Hauptstadt gespalten. Auf der einen Seite stehen kaufkräftige, oft neu zugezogene Mieter, die sich flexibel auf dem Markt bewegen können. Auf der anderen Seite einkommensschwache und alteingesessene Haushalte, die an ihre finanzielle Belastungsgrenze stossen.
Zwei Geschwindigkeiten auf einem Markt
Der Verein beschreibt das Problem so: Die hohe Nachfrage durch den stetigen Zuzug nach Berlin trifft auf zu wenig bezahlbaren Wohnraum. Mieter mit hohem Einkommen bedienen die steigenden Angebotsmieten und haben eine grosse Auswahl an Wohnungen in Berlin. Haushalte mit geringerem Einkommen vermeiden dagegen Umzüge, weil sie bei einem neuen Vertrag mit deutlich höheren Mieten und starker Konkurrenz rechnen müssen. Besonders in Innenstadtlagen wie Mitte oder in dynamischen Bezirken wie Neukölln ist dieser Effekt spürbar.
Auch die Randbezirke werden teurer
Lange galten die Aussenbezirke als Ausweichquartiere. Diese Option verliert laut Mieterverein an Kraft. Die Preissteigerungen erfassen zunehmend die gesamte Stadt. Bestandsmieter bleiben in ihren Wohnungen, auch wenn diese zu klein geworden sind. Das hemmt die Fluktuation und verengt das Angebot weiter. Die aktuelle Marktentwicklung verstärkt diesen Effekt.
Forderungen des Mietervereins
Der Verein fordert Mieter auf, die seit Juni 2015 geltende Mietpreisbremse aktiv zu nutzen, um überzogene Forderungen bei der Wiedervermietung zu begrenzen. Darüber hinaus verlangt er von der Politik:
- Mehr sozialen Wohnungsbau, um das Angebot im unteren Preissegment zu erhöhen
- Besseren Schutz preiswerter Mietwohnungen im Bestand
- Eine Begrenzung der Modernisierungsumlage im Rahmen der zweiten Mietrechtsnovelle
- Eine Absenkung der Kappungsgrenzen auf 15 Prozent in fünf Jahren
Was das für Eigentümer bedeutet
Für Eigentümer und Investoren bestätigt die Analyse die hohe Nachfrage am Standort Berlin. Gleichzeitig wächst der politische Druck in Richtung schärferer Regulierung. Die Debatte um die Mietrechtsnovelle wird das Thema des Jahres. Wer in Berliner Wohnimmobilien investiert, sollte die gesetzlichen Rahmenbedingungen im Blick behalten, da sie die Ertragsperspektiven direkt beeinflussen.