Charakter und Identität
Schöneberg liegt südlich des Großen Tiergartens und gehört seit der Berliner Bezirksreform 2001 zum Bezirk Tempelhof-Schöneberg, den der Ortsteil gemeinsam mit Tempelhof bildet. Der Ortsteil erstreckt sich über rund 10,6 km², von der Tauentzienstraße im Norden bis zur Ringbahn im Süden. Hier leben 128.702 Menschen in 68.950 Haushalten; der Bestand verteilt sich auf 70.516 Wohnungen in 5.145 Gebäuden (Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg).
Schöneberg setzt sich aus sehr unterschiedlichen Quartieren zusammen, die kaum einen gemeinsamen Nenner haben. Im Nordwesten reicht der Ortsteil bis an die City West, wo das KaDeWe am Wittenbergplatz und die Tauentzienstraße den Übergang nach Charlottenburg markieren. Rund um den Nollendorfplatz liegt der dichteste, lauteste Teil mit Bars, Clubs und der queeren Szene, die Schöneberg bis heute prägt. Wenige Minuten südlich beginnt mit dem Bayerischen Viertel ein ruhiges, großbürgerliches Wohnquartier, dessen Straßen nach bayerischen Städten benannt sind.
Diese Spannweite setzt sich nach Süden fort. Die Rote Insel, eingeklemmt zwischen drei Bahntrassen, war über Generationen ein Arbeiterquartier und trägt heute den Gasometer und den EUREF-Campus an ihrem Rand. Der Akazienkiez rund um die Akazienstraße steht für das alltägliche Schöneberg mit Wochenmarkt, Cafés und kleinteiligem Einzelhandel. Dazwischen sorgen Plätze wie der Viktoria-Luise-Platz und der Bayerische Platz für Gründerzeit-Adressen, während entlang der Bahnflächen am Südkreuz neue Quartiere wachsen.
Was Schöneberg zusammenhält, ist weniger ein einheitliches Stadtbild als eine Geschichte der Vielfalt. Schon in der Weimarer Republik war der Ortsteil ein Zentrum des großstädtischen Lebens, in der Teilung der Sitz der West-Berliner Regierung und seit Jahrzehnten ein Anziehungspunkt für eine internationale Bevölkerung. Diese Schichten liegen hier dichter übereinander als in vielen anderen Berliner Ortsteilen.
Geschichte und Wandel
Schöneberg begann als Dorf. Urkundlich erwähnt wurde „Sconenberch“ erstmals 1264; die Dorfkirche an der Hauptstraße erinnert bis heute an diesen Kern. Über Jahrhunderte blieb der Ort ein Bauerndorf vor den Toren Berlins, bevor ihn die Industrialisierung erfasste. Als im späten 19. Jahrhundert die Berliner Stadtgrenze heranrückte, verkauften die Schöneberger Bauern ihr Ackerland zu hohen Preisen an Bauspekulanten. Der Boom machte aus dem Dorf in wenigen Jahrzehnten eine Großstadt und brachte ihm den Beinamen „Millionenbauerndorf“ ein.
1898 wurde Schöneberg zur Stadt erhoben, mit eigenem Rathaus, eigener U-Bahn und rascher Bautätigkeit. In dieser Phase entstand auch das Bayerische Viertel, das der Unternehmer Georg Haberland mit seiner Berlinischen Boden-Gesellschaft ab 1900 als großbürgerliches Wohnquartier anlegte. 1920 wurde die eigenständige Stadt nach Groß-Berlin eingemeindet und zum Bezirk Schöneberg. In den zwanziger Jahren war der Bereich um den Nollendorfplatz ein Zentrum des Berliner Nachtlebens; das Eldorado an der Motzstraße und die offene Szene zogen Künstler und Schriftsteller an. Christopher Isherwood wohnte in der Nollendorfstraße 17 und verarbeitete diese Jahre in „Goodbye to Berlin“, der literarischen Vorlage für „Cabaret“.
Der Nationalsozialismus beendete dieses Leben. Im Bayerischen Viertel, das wegen seiner vielen jüdischen Bewohner auch „Jüdische Schweiz“ genannt wurde, lebte unter anderem Albert Einstein, bevor er 1933 emigrierte; an die Verfolgung und Deportation der jüdischen Nachbarschaft erinnert heute das Mahnmal „Orte des Erinnerns“ mit seinen Schildern im Straßenraum. Im Sportpalast an der Potsdamer Straße hielt Joseph Goebbels 1943 seine Rede zum „totalen Krieg“. Der Zweite Weltkrieg zerstörte große Teile der Gründerzeitsubstanz, deren Lücken später mit schlichten Nachkriegsbauten geschlossen wurden.
Nach der Teilung wurde Schöneberg zum politischen Mittelpunkt West-Berlins. Im Rathaus Schöneberg tagten das Abgeordnetenhaus und der Senat, hier hatte der Regierende Bürgermeister seinen Sitz. Vor diesem Rathaus sprach John F. Kennedy am 26. Juni 1963 die Worte „Ich bin ein Berliner“; im Turm hängt seit 1950 die Freiheitsglocke. Auch kulturell blieb der Ortsteil ein Magnet: David Bowie und Iggy Pop lebten von 1976 bis 1978 in der Hauptstraße 155, wo Bowie Teile seiner Berliner Alben aufnahm. Nach dem Mauerfall verschob sich Berlins Schwerpunkt nach Osten, doch Schöneberg blieb begehrt. Mit dem EUREF-Campus rund um den alten Gasometer und den Neubauquartieren am Südkreuz kamen in den 2010er-Jahren neue Entwicklungsachsen hinzu.
Sehenswürdigkeiten
Das Rathaus Schöneberg am John-F.-Kennedy-Platz ist der bekannteste Bau des Ortsteils und durch die Kennedy-Rede und die Freiheitsglocke fest mit der Geschichte West-Berlins verbunden. Wenige Schritte entfernt liegt der Rudolph-Wilde-Park, der das Rathaus mit dem Stadtpark Schöneberg und dem Bayerischen Viertel verbindet.
Architektonisch prägen vor allem die Gründerzeitplätze das Bild. Der Viktoria-Luise-Platz mit seiner sechseckigen Anlage und den repräsentativen Altbauten gilt als eine der elegantesten Adressen der Stadt, der Bayerische Platz bildet das Zentrum des gleichnamigen Viertels. Im Heinrich-von-Kleist-Park stehen die Königskolonnaden und das Gebäude des Kammergerichts, das während der NS-Zeit Sitz des Volksgerichtshofs war und nach 1945 dem Alliierten Kontrollrat diente.
Industrie- und Technikgeschichte zeigt sich am deutlichsten an der Roten Insel. Der weithin sichtbare Gasometer Schöneberg bildet heute das Wahrzeichen des EUREF-Campus, eines Standorts für Energie- und Mobilitätsunternehmen. Im Süden des Ortsteils liegen der Natur-Park Schöneberger Südgelände, ein ehemaliges Bahnbetriebsgelände, das zur Naturlandschaft wurde, sowie der Insulaner, ein aus Kriegstrümmern aufgeschütteter Hügel mit Planetarium und Sternwarte. Am Wittenbergplatz schließlich steht mit dem KaDeWe das größte Warenhaus Kontinentaleuropas, dessen Adresse zwar zum Berliner Westen zählt, baulich aber zu Schöneberg gehört.
Beliebte Kieze in Schöneberg
- Bayerisches Viertel: Großbürgerliches Wohnquartier südlich des Rathauses mit Straßen, die nach bayerischen Städten benannt sind. Geprägt von Gründerzeit- und 1920er-Jahre-Architektur, dem Bayerischen Platz und einer ruhigen, familiären Wohnatmosphäre.
- Nollendorfkiez / Regenbogenkiez: Rund um Nollendorfplatz, Motzstraße und Fuggerstraße liegt das Zentrum der queeren Szene Berlins, mit Bars, Clubs und einer Geschichte, die bis in die zwanziger Jahre zurückreicht. Dichtes, lebhaftes Quartier am Übergang zur City West.
- Rote Insel: Von drei Bahntrassen umschlossenes ehemaliges Arbeiterviertel rund um die Crellestraße, Geburtsort Marlene Dietrichs. Heute eine Mischung aus Altbau, kleinteiligem Gewerbe und dem EUREF-Campus am Gasometer.
- Akazienkiez: Rund um die Akazienstraße und die Apostel-Paulus-Kirche, mit Wochenmarkt, Cafés und inhabergeführten Geschäften. Steht für das alltägliche Wohnen in Schöneberg.
- Winterfeldtkiez / Maaßenkiez: Um den Winterfeldtplatz und die Goltzstraße gelegen, mit dem größten Wochenmarkt der Innenstadt und einer dichten Gastronomie zwischen Nollendorfplatz und Akazienstraße.
Szene und Alltag
Der Wochenmarkt am Winterfeldtplatz ist der gastronomische Mittelpunkt des nördlichen Schöneberg. Mittwochs und samstags versorgt er die umliegenden Kieze, der Samstagsmarkt zählt zu den größten der Stadt. Von hier aus ziehen sich die Goltzstraße, die Akazienstraße und die Maaßenstraße als Achsen mit Cafés, Bars, Buchläden und kleinen Geschäften durch das Quartier.
Rund um Motzstraße und Fuggerstraße konzentriert sich das queere Leben Berlins. Aus der Szene der zwanziger Jahre ist über die Teilung hinweg ein Kiez gewachsen, der heute mit dem lesbisch-schwulen Stadtfest und dem Folsom-Europe-Wochenende eigene Großveranstaltungen trägt. Am U-Bahnhof Nollendorfplatz erinnert eine Gedenktafel an die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.
Daneben prägt eine bürgerliche Kulturszene den Ortsteil. Galerien, Programmkinos und kleine Bühnen verteilen sich über die nördlichen Kieze, während das Bayerische Viertel und die Gegend um den Viktoria-Luise-Platz eher von Wohnruhe und Nachbarschaftsgastronomie leben. Diese Gleichzeitigkeit von lautem Nachtleben und ruhigem Wohnquartier auf engem Raum gehört zu den Merkmalen Schönebergs.
Wer in Schöneberg lebt
Schöneberg ist von kleinen Haushalten geprägt. Wie sich die Wohnbevölkerung auf die Haushaltsgrößen verteilt, zeigt die folgende Aufschlüsselung.
Der hohe Anteil an Einpersonenhaushalten passt zur Lage und zur Wohnungsstruktur des Ortsteils, in dem kleine und mittlere Wohnungen überwiegen. Die Altersstruktur wird entsprechend von Erwerbstätigen mittlerer Jahrgänge bestimmt, ergänzt um eine ältere Bevölkerung in den ruhigeren Wohnvierteln im Süden.
Schöneberg gehört zu den international geprägten Ortsteilen Berlins. Die Zusammensetzung der Wohnbevölkerung nach Herkunftsgebieten verdeutlicht, wie stark Zuzüge aus dem Ausland die Bevölkerung tragen.
Wen es nach Schöneberg zieht
Schöneberg erneuert seine Bevölkerung stark über Zuzüge von außerhalb Berlins. Welche Staaten den internationalen Zuzug tragen und wie sich Zu- und Fortzüge je Land gegenüberstehen, zeigt die folgende Tabelle.
| # | Land | Zuzüge | Fortzüge | Saldo |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Indien | 445 | 156 | 289 |
| 2 | Ukraine | 379 | 193 | 186 |
| 3 | Türkei | 264 | 156 | 108 |
| 4 | Rumänien | 213 | 142 | 71 |
| 5 | Italien | 173 | 209 | -36 |
| 6 | Vereinigte Staaten | 149 | 129 | 20 |
| 7 | Polen | 143 | 185 | -42 |
| – | Deutschland | 2.275 | 2.704 | -429 |
Innerhalb Berlins ist der Austausch vor allem kleinräumig. Die meisten Menschen, die nach Schöneberg ziehen, kommen aus den benachbarten Ortsteilen, allen voran aus Wilmersdorf, Friedenau, Tempelhof und Kreuzberg.
| # | Ortsteil | Personen |
|---|---|---|
| 1 | Kreuzberg | 580 |
| 2 | Charlottenburg | 499 |
| 3 | Wilmersdorf | 467 |
| 4 | Neukölln | 445 |
| 5 | Friedrichshain | 316 |
In die Gegenrichtung verläuft die Bewegung ähnlich. Wer Schöneberg verlässt, bleibt häufig in der Nähe und zieht in die angrenzenden Ortsteile im Berliner Südwesten, von Friedenau und Wilmersdorf bis nach Steglitz und Tempelhof.
| # | Ortsteil | Personen |
|---|---|---|
| 1 | Wilmersdorf | 573 |
| 2 | Kreuzberg | 507 |
| 3 | Charlottenburg | 502 |
| 4 | Neukölln | 444 |
| 5 | Steglitz | 359 |
Gebäude und Wohnungen
Der Gebäudebestand umfasst 5.145 Gebäude und ist baulich stark gemischt. Den Kern bilden Gründerzeit-Altbauten aus der Boomphase um 1900, die vor allem die Quartiere um den Viktoria-Luise-Platz, das Bayerische Viertel und den Akazienkiez prägen. Die Kriegslücken wurden in den fünfziger und sechziger Jahren mit schlichten Geschosswohnungsbauten geschlossen, die heute trotz ihrer oft schwachen Energiebilanz ein gefragtes Segment mit kompakten Grundrissen bilden. Eine eigene Chart-Datenquelle für Baualtersklassen liegt nicht vor; diese Einordnung beruht auf dem Guthmann-Marktreport.
Wie sich der Bestand auf die Größenklassen verteilt, zeigt die folgende Aufstellung. Der Schwerpunkt bei kleinen und mittleren Wohnungen erklärt den hohen Single-Anteil im Ortsteil.
Auch die Nutzung des Bestands ist für die soziale Mischung aufschlussreich, etwa im Verhältnis von selbst genutztem zu vermietetem Wohnraum.
Neubau entsteht in dem dicht bebauten Ortsteil vor allem auf den ehemaligen Bahnflächen. Rund um das Südkreuz ist mit der Schöneberger Linse ein neues Quartier gewachsen, am Gasometer der EUREF-Campus. Wie sich die Bautätigkeit über die Zeit entwickelt, zeigt die folgende Darstellung.
Große Teile Schönebergs stehen unter Milieuschutz. Seit 2014 bestehen mehrere Erhaltungsgebiete nach § 172 BauGB, die einen erheblichen Anteil der Wohnfläche abdecken und die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen sowie aufwendige Modernisierungen regulieren.
Verkehr und Infrastruktur
Schöneberg ist dicht an das U-Bahn-Netz angebunden. Am Nollendorfplatz treffen mit U1, U2, U3 und U4 gleich vier Linien zusammen; die U4 verläuft als kürzeste Linie Berlins vollständig innerhalb des Ortsteils vom Nollendorfplatz bis zum Innsbrucker Platz und stammt noch aus der Zeit der eigenständigen Stadt Schöneberg. Die U7 verbindet Bayerischer Platz, Eisenacher Straße und Kleistpark mit Neukölln und Spandau, die U2 quert den Norden über die historische Hochbahn an der Bülowstraße.
Am südlichen Rand sorgt die Ringbahn mit den Stationen Schöneberg, Innsbrucker Platz und Südkreuz für den schnellen Anschluss an den Stadtring. Der Bahnhof Südkreuz ist der wichtigste Verkehrsknoten des Ortsteils und verbindet die S-Bahn mit dem Regional- und Fernverkehr.
Mit dem 2006 eröffneten Bahnhof Südkreuz verfügt Schöneberg über einen eigenen ICE- und Regionalbahnhof. Er bindet den Ortsteil direkt an das Fernverkehrsnetz an und ist zugleich Auslöser der Quartiersentwicklung an der Schöneberger Linse.
Die Hauptachsen wie die Hauptstraße und die Potsdamer Straße tragen einen großen Teil des Durchgangsverkehrs, während die Nebenstraßen der Wohnkieze ruhig sind. Der Natur-Park Schöneberger Südgelände und die begleitenden Grünverbindungen entlang der Bahntrassen bieten abseits der Hauptstraßen Wege für Radfahrer und Fußgänger.
Schulen und Kindertagesstätten verteilen sich über die Wohnkieze, mit Schwerpunkten im Bayerischen Viertel und im Akazienkiez. Mit Planetarium und Wilhelm-Foerster-Sternwarte am Insulaner liegt zudem ein überregional bekannter Lernort im Süden des Ortsteils.
Die Nahversorgung stützt sich auf die belebten Geschäftsstraßen. Der Winterfeldtmarkt, die Akazienstraße und die Hauptstraße decken den Alltagsbedarf, während das KaDeWe und die Tauentzienstraße am nördlichen Rand den Übergang zum großen Einzelhandel der City West bilden.
Trotz der dichten Bebauung verfügt Schöneberg über mehrere Grünanker. Der Rudolph-Wilde-Park und der Stadtpark Schöneberg ziehen sich durch die Mitte des Ortsteils, der Heinrich-von-Kleist-Park bietet mit den Königskolonnaden eine historische Anlage, und im Süden ergänzen der Natur-Park Schöneberger Südgelände und der Insulaner größere Freiräume.
Für wen Schöneberg passt
- Internationale Singles und Paare: Der hohe Anteil kleiner Haushalte, das überwiegend kompakte Wohnungsangebot und die zentrale Lage zwischen City West und Innenstadt sprechen Menschen an, die urbanes Leben und kurze Wege suchen. Das Angebot ist überwiegend zur Miete.
- Familien mit Gründerzeit-Vorliebe: Das Bayerische Viertel und die ruhigen Wohnstraßen im Süden bieten großzügige Altbauwohnungen, Parks und ein gewachsenes Schulumfeld abseits der lauten Ausgehkieze.
- Pendler mit Fernverkehrsbedarf: Wer regelmäßig reist, profitiert vom ICE- und Regionalhalt am Südkreuz und der dichten U- und Ringbahnanbindung in alle Teile der Stadt.
- Kapitalanleger im Altbaubestand: Der hohe Anteil an Gründerzeit- und Nachkriegswohnungen in kleinteiligem Eigentum trifft auf eine konstant hohe Nachfrage; die ausgedehnten Milieuschutzgebiete prägen dabei die Rahmenbedingungen für Umwandlung und Modernisierung.