Charakter und Identität
Tempelhof ist ein Ortsteil im Norden des Bezirks Tempelhof-Schöneberg und reicht von der Grenze zu Kreuzberg nach Süden bis Mariendorf. Im Westen grenzt der Ortsteil an Schöneberg und Steglitz, im Osten an Neukölln. Im Ortsteil leben 63.983 Einwohner; der Bestand verteilt sich auf 32.854 Wohnungen und 32.238 Haushalte (Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg).
Das prägende Merkmal des Ortsteils ist eine Leerstelle. Wo bis 2008 Flugzeuge starteten, liegt heute das Tempelhofer Feld, mit rund 300 Hektar eines der größten innerstädtischen Freiflächen Europas. Davor steht das denkmalgeschützte Flughafengebäude, einer der größten Baukörper der Welt, das den Ortsteil nach Norden hin abschließt. Der Flughafen Tempelhof ist die Adresse, über die Tempelhof überregional bekannt ist.
Wer in Tempelhof wohnt, kennt die andere Seite. Westlich des Tempelhofer Damms reihen sich ruhige Siedlungsstraßen mit Reihenhäusern aus den 1920er und 1930er Jahren aneinander, das sogenannte Fliegerviertel mit seinen nach Luftfahrtpionieren benannten Straßen ist hier der bekannteste Kiez. Südlich davon, rund um den Fernbahnhof Südkreuz und in den urbaneren Lagen, dominieren Wohnanlagen der Zwischenkriegs- und der Nachkriegszeit mit vielen Drei- und Vier-Zimmer-Wohnungen. Diese Mischung aus Großstadtkante im Norden und gutbürgerlicher Ruhe in den Wohnstraßen prägt den Ortsteil.
Tempelhof war bis 2001 ein eigenständiger Bezirk. Seit der Verwaltungsreform gehört der Ortsteil zum fusionierten Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Dieses Portrait behandelt den Ortsteil Tempelhof; die Ortsteile Mariendorf, Marienfelde und Lichtenrade weiter im Süden gehörten zum alten Bezirk, sind aber eigene Ortsteile.
Geschichte und Wandel
Der Name Tempelhof geht auf den Templerorden zurück, der das Gebiet im 13. Jahrhundert besiedelte. Über Jahrhunderte blieb Tempelhof ein Dorf vor den Toren Berlins, das alte Dorfangerdorf und die Dorfkirche an der heutigen Reinhardtstraße erinnern noch daran. 1920 wurde Tempelhof mit dem Groß-Berlin-Gesetz nach Berlin eingemeindet und gab dem damals neuen Bezirk seinen Namen.
Den Charakter des Ortsteils prägte ab den 1920er Jahren die Luftfahrt. Auf dem Tempelhofer Feld, das zuvor Exerzierplatz war, entstand einer der ersten Verkehrsflughäfen Europas. In den 1930er Jahren wurde das heutige Empfangsgebäude errichtet, dessen weit geschwungene Bogenform bis heute das Stadtbild bestimmt. Parallel wuchsen die Wohnsiedlungen westlich des Tempelhofer Damms, die Reihenhausquartiere des Fliegerviertels gehören zu diesem Siedlungsbau der Zwischenkriegsjahre.
Internationale Bekanntheit erlangte der Flughafen mit der Berliner Luftbrücke 1948/49. Während der Blockade West-Berlins versorgten die Alliierten die Stadt über Tempelhof aus der Luft, das Luftbrückendenkmal am Platz der Luftbrücke hält diese Episode fest. Nach Kriegsschäden entstand in Tempelhof viel Nachkriegsbestand, was den heutigen Gebäudemix erklärt.
Der Flugbetrieb endete 2008. In einem Volksentscheid sprachen sich die Berliner 2014 gegen eine Randbebauung des Feldes aus, seither ist die Freifläche per Gesetz geschützt. Das ehemalige Flughafengebäude wird heute als Zukunftsort und Standort für Kultur, Verwaltung und Gewerbe entwickelt, eine vollständige Nachnutzung ist ein langfristiger Prozess.
Sehenswürdigkeiten
Die bekannteste Adresse ist der ehemalige Flughafen Tempelhof. Der monumentale Bau aus den 1930er Jahren lässt sich bei Führungen besichtigen und dient heute als Veranstaltungsort, etwa für Messen und Konzerte in den Hangars. Vor dem Haupteingang am Platz der Luftbrücke steht das Luftbrückendenkmal, dessen drei nach Westen weisende Streben im Volksmund Hungerharke heißen.
Direkt dahinter öffnet sich das Tempelhofer Feld. Die ehemaligen Start- und Landebahnen sind heute Wege für Radfahrer, Skater und Spaziergänger, dazwischen liegen Wiesenflächen, Gärtnerprojekte und eine große Hundeauslauffläche. Das Feld ist die zentrale Freizeit- und Erholungsfläche des Ortsteils und zieht Menschen aus der ganzen Stadt an.
Im historischen Ortskern erinnern die mittelalterliche Dorfkirche und der alte Dorfanger an die dörflichen Ursprünge. Architektonisch interessant sind die Wohnsiedlungen der 1920er und 1930er Jahre westlich des Tempelhofer Damms, deren einheitliche Reihenhauszeilen ein Stück Berliner Siedlungsgeschichte zeigen. Das Stadtmuseum widmet Tempelhof und seinem Flughafen eigene Ausstellungsbezüge.
Beliebte Kieze in Tempelhof
- Fliegerviertel: Reihenhausquartier westlich des Tempelhofer Damms mit nach Luftfahrtpionieren benannten Straßen. Ruhig, grün und familiär geprägt, Eigentum wechselt hier oft innerhalb der Familien.
- Tempelhofer Damm: Die zentrale Nord-Süd-Achse mit Einzelhandel, Gastronomie und der U6 unter der Straße. Versorgungsband und urbaner Rückgrat des Ortsteils.
- Alt-Tempelhof: Der historische Ortskern rund um Dorfkirche und Dorfanger, eine Mischung aus alten und neueren Wohnhäusern.
- Rund um den Bahnhof Südkreuz: Gepflegte Wohnanlagen aus der Zwischenkriegszeit am Übergang nach Schöneberg, lange als Geheimtipp für zentrales und bezahlbares Wohnen gehandelt.
- Neu-Tempelhof / am Tempelhofer Feld: Wohnlagen am Rand der Freifläche, geschätzt für die Nähe zum offenen Feld und die Anbindung Richtung Innenstadt.
Szene und Alltag
Das Tempelhofer Feld ist der gesellschaftliche Mittelpunkt des Ortsteils. An Wochenenden treffen sich hier Kitesurfer mit Landbrettern, Jogger, Familien und Grillgruppen, die Gemeinschaftsgärten am Rand des Feldes sind ein eigener sozialer Treffpunkt. Veranstaltungen in den Hangars des Flughafengebäudes, von Messen bis zu Festivals, bringen zusätzliches Publikum in den Ortsteil.
Der Alltag spielt sich entlang des Tempelhofer Damms ab. Hier liegen Supermärkte, Bäckereien, Apotheken und die alteingesessene Gastronomie, ergänzt durch Wochenmärkte im Ortsteil. Im Vergleich zu den Innenstadt-Ortsteilen ist die Bar- und Galeriedichte gering; Tempelhof ist stärker Wohn- als Ausgehquartier. Wer mehr Nachtleben sucht, ist über die U6 schnell in Kreuzberg.
Wer in Tempelhof lebt
Tempelhof ist stärker von Familien und größeren Haushalten geprägt als die zentralen Ortsteile, was zum hohen Anteil an Reihenhäusern und Drei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen passt. Wie sich die Haushalte nach Größe verteilen, zeigt die folgende Aufschlüsselung.
Die Altersstruktur ist gemischter als in den jungen Szenekiezen der Innenstadt, mit einem spürbaren Anteil älterer Bewohner in den lange familiengebundenen Siedlungslagen.
Auch in Tempelhof ist die Wohnbevölkerung international zusammengesetzt. Wie sich der Bestand nach Herkunftsgebieten verteilt, zeigt die folgende Aufstellung.
Wen es nach Tempelhof zieht
Wie sich die Bevölkerung erneuert, zeigen die Wanderungsdaten. Das günstige Mietniveau macht Tempelhof für Zuzug über die Stadtgrenze attraktiv, während der Ortsteil an andere Bezirke und ins Umland netto Bevölkerung abgibt.
| # | Land | Zuzüge | Fortzüge | Saldo |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Ukraine | 292 | 170 | 122 |
| 2 | Türkei | 239 | 258 | -19 |
| 3 | Indien | 187 | 91 | 96 |
| 4 | Arabische Republik Syrien | 174 | 95 | 79 |
| 5 | Republik Moldau | 145 | 140 | 5 |
| 6 | Rumänien | 88 | 92 | -4 |
| 7 | Afghanistan | 73 | 44 | 29 |
| – | Deutschland | 904 | 1.281 | -377 |
Innerhalb Berlins ist der Austausch eng mit den angrenzenden Ortsteilen.
| # | Ortsteil | Personen |
|---|---|---|
| 1 | Wittenau | 960 |
| 2 | Tegel | 803 |
| 3 | Neukölln | 310 |
| 4 | Kreuzberg | 298 |
| 5 | Schöneberg | 274 |
In die Gegenrichtung verläuft die Bewegung ähnlich kleinräumig, dazu kommen Fortzüge ins südliche Umland.
| # | Ortsteil | Personen |
|---|---|---|
| 1 | Neukölln | 359 |
| 2 | Mariendorf | 321 |
| 3 | Kreuzberg | 267 |
| 4 | Schöneberg | 267 |
| 5 | Friedrichshain | 192 |
Gebäude und Wohnungen
Der Gebäudebestand umfasst 4.471 Gebäude. Charakteristisch für Tempelhof ist der hohe Anteil an Ein- und Zweifamilienhäusern, vor allem die Reihenhauszeilen des Siedlungsbaus der 1920er und 1930er Jahre westlich des Tempelhofer Damms. Dazu kommt ein großer Nachkriegsbestand, der die im Krieg zerstörten Wohnhäuser ersetzte, sowie Wohnanlagen der Zwischenkriegszeit rund um den Bahnhof Südkreuz. Altbau aus der Gründerzeit ist seltener vertreten als in der Innenstadt. Eine Chart-Datenquelle für Baualtersklassen liegt nicht vor; diese Einordnung beruht auf dem Guthmann-Marktreport.
Die Verteilung der Wohnungsgrößen spiegelt den familiären Charakter des Ortsteils. Wie sich der Bestand auf die Größenklassen verteilt, zeigt die folgende Aufstellung.
Aufschlussreich für die soziale Mischung ist auch, wie der Bestand genutzt wird.
Neubau entsteht in Tempelhof vor allem durch Nachverdichtung in bestehenden Quartieren; eine Bebauung des Tempelhofer Feldes ist per Volksentscheid ausgeschlossen.
Ein Teil des Mietshausbestands liegt in einem sozialen Erhaltungsgebiet nach Paragraf 172 BauGB. Die Erhaltungssatzung soll die angestammte Bewohnerstruktur schützen und reguliert Modernisierung und Umwandlung in betroffenen Lagen (Quelle: Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg).
Verkehr und Infrastruktur
Das Rückgrat der Erschließung ist die U6, die den Ortsteil unter dem Tempelhofer Damm von Nord nach Süd durchquert und über die Bahnhöfe Platz der Luftbrücke, Paradestraße, Tempelhof, Alt-Tempelhof und Kaiserin-Augusta-Straße direkt in die Innenstadt führt. Am Bahnhof Tempelhof treffen U6 und S-Bahn-Ring zusammen, was den nördlichen Ortsteil eng an Kreuzberg, Schöneberg und Neukölln anbindet.
Der Bahnhof Südkreuz am westlichen Rand ist ein überregionaler Knoten. Hier halten Fernverkehrszüge, Regionalbahnen und die S-Bahn, womit Tempelhof eine direkte Anbindung an das ICE- und IC-Netz hat. Zahlreiche Buslinien und der Tempelhofer Damm als durchgehende Hauptstraße ergänzen den Nahverkehr; das Tempelhofer Feld bietet zudem weite, autofreie Wege für Radfahrer und Fußgänger.
Die Versorgung konzentriert sich auf den Tempelhofer Damm und die Nebenstraßen mit Supermärkten, Fachgeschäften und Wochenmärkten in Wohnnähe. Schulen und Kitas liegen in den Wohnquartieren verteilt, der familiäre Zuschnitt der Siedlungslagen geht mit einem soliden Bildungsangebot einher. Tempelhof ist zudem ein Arbeitsplatzstandort; mittelständische und internationale Unternehmen haben hier Niederlassungen, und das ehemalige Flughafengebäude entwickelt sich zu einem Standort für Gewerbe und Kultur.
Bei den Grünflächen sticht das Tempelhofer Feld alles andere aus. Mit seinen rund 300 Hektar offener Fläche bietet der Ortsteil ein Erholungsangebot, das in der dicht bebauten Innenstadt seinesgleichen sucht. Kleinere Grünanlagen und die ruhigen, durchgrünten Siedlungsstraßen westlich des Tempelhofer Damms ergänzen das Bild.
Für wen Tempelhof passt
- Familien mit Wunsch nach Reihenhaus: Die Siedlungsquartiere des Fliegerviertels bieten Reihenhäuser im Grünen mit Innenstadtanbindung über die U6, ein in Berlin seltenes Angebot. Der Bestand ist oft älter und energetisch sanierungsbedürftig.
- Pendler mit Fernverkehrsbedarf: Der Bahnhof Südkreuz mit ICE-, Regional- und S-Bahn-Anschluss macht Tempelhof für Menschen interessant, die regelmäßig überregional unterwegs sind.
- Eigennutzer mit Budgetfokus: Wer zentrumsnah wohnen will, findet in Tempelhof größere Wohnungen und ein günstigeres Einstiegsniveau als in den Innenstadt-Ortsteilen, bei direkter Lage am Tempelhofer Feld.
- Bestandshalter im Mietshaussegment: Der heterogene Gebäudebestand und das soziale Erhaltungsgebiet bestimmen die Investitionslogik; Modernisierung und Umwandlung sind in den betroffenen Lagen reguliert.