Erheblicher Anstieg der Mietbelastung bei Umzügen
Wer in Deutschland umzieht, muss mit erheblich höheren Wohnkosten rechnen – besonders in Großstädten. Eine aktuelle Analyse des Eigentümerverbands Haus & Grund für das Jahr 2024 zeigt besorgniserregende Entwicklungen auf dem deutschen Wohnungsmarkt.
Mietkostenbelastung in Berlin
Für Familien, die nach einem Umzug eine neue Wohnung anmieten, ist Berlin mittlerweile die teuerste Stadt in Deutschland. Sie müssen mehr als 32 Prozent ihres Haushaltseinkommens für die Nettokaltmiete aufwenden. Bei Alleinlebenden liegt die Belastung sogar bei 41,9 Prozent – deutlich über der Schwelle von 30 Prozent, ab der Wohnraum als nicht mehr bezahlbar gilt.
Rangfolge der teuersten Städte
Für Familien (Anteil am Haushaltseinkommen 2024):
- Berlin: 32,3%
- München: 29,8%
- Frankfurt am Main: 28,1%
- Hamburg: 26,5%
- Köln: 25,2%
Für Alleinlebende:
- Berlin: 41,9%
- München: 41,2%
- Offenbach am Main: 40,2%
- Frankfurt am Main: 38,2%
- Freiburg im Breisgau: 36,3%
Der Lock-in-Effekt verfestigt Mietverhältnisse
Die Studie identifiziert einen problematischen "Lock-in-Effekt": Viele Mieter verzichten auf einen eigentlich notwendigen Umzug, weil die Marktmieten erheblich über ihren aktuellen Bestandsmieten liegen. Dies führt zu:
- Sinkender Umzugsmobilität
- Verknappung des Wohnungsangebots
- Verfestigung bestehender Mietverhältnisse
Bundesweiter Durchschnitt bleibt moderat
Im bundesweiten Schnitt müssen Familien nach einem Umzug 19,4 Prozent ihres Einkommens für die Miete aufwenden – ein Anstieg um 1,5 Prozentpunkte seit 2015. Alleinlebende liegen bei 26,3 Prozent (plus 2 Prozentpunkte).
Extreme Unterschiede zwischen Stadt und Land
Während Metropolen massive Mietsteigerungen verzeichnen, bleiben ländliche Regionen erschwinglich. Die niedrigste Mietbelastung wurde mit 12,7 Prozent im Altmarkkreis Salzwedel (Sachsen-Anhalt) und in Greiz (Thüringen) gemessen.
Angebotsmieten steigen drastischer als Bestandsmieten
Die Kluft zwischen Bestands- und Angebotsmieten hat sich seit 2015 deutlich vergrößert:
90 qm Wohnung (typisch für Familien):
- Bestandsmiete: +35% seit 2015
- Angebotsmiete: +46% seit 2015
- Berlin Angebotsmiete: +84% (von 749€ auf 1.379€)
50 qm Wohnung (typisch für Alleinlebende):
- Bestandsmiete: +30% seit 2015
- Angebotsmiete: +44% seit 2015
- Berlin Angebotsmiete: +83% (von 423€ auf 776€)
Ausblick und Forderungen
Der Eigentümerverband fordert mehr Wohnungsneubau und den Verzicht auf Mietpreisregulierung. Der Deutsche Mieterbund hingegen warnt, dass bereits über sechs Millionen Mieter überlastet seien und die Problematik zunehmend auch die Mittelschicht erreiche.
Datengrundlage: Die Analyse basiert auf der Studie "Bezahlbarkeit von Mieten 2025" des Eigentümerverbands Haus & Grund, veröffentlicht im Handelsblatt am 6. November 2025. Die Berechnungen beziehen sich auf online inserierte Wohnungen auf gängigen Immobilienportalen und verwenden regionale Haushaltsnettoeinkommen als Grundlage.
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